Erzbischof Gänswein: Weihnachten und die Verteidigung des christlichen Europas

Geertgen tot Sint Jans - Die Geburt Jesu (Detail, gemeinfrei)

Erzbischof Georg Gänswein gilt als einer der engsten Vertrauten des emeritierten Papstes Benedikt XVI. In einer heute veröffentlichten Weihnachtsbotschaft betont er die Bedeutung des Christentums als Grundlage von allem, was im Erbe Europas „schön und groß und liebenswert“ sei. In diesem Zusammenhang unterstreicht er die Ungleichheit von Christentum und Islam. Während der islamische Gebetsruf „Gott ist der Größte!“ zum „Schreckensruf unserer Städte geworden“ sei, stehe das Weihnachtsfest für die „unfassbare Demut des Größten“. Diese sei auf „kostbarste Weise als Signatur eingeschrieben in jene Welt, die wir lieben und die gegen oft übermächtig scheinende Gegner mit unserem Zeugnis verteidigt werden will.“

In seiner Betrachtung schreibt Erzbischof Gänswein:

„Die Geburt Christi ist der Referenzpunkt unserer Geschichte schlechthin. […] Es ist ein unfassbares Wunder, was Gott sich da angetan hat, und es ist dennoch […] der Kern unseres Evangeliums. Der König des Weltalls hat sich auf unsere Natur eingelassen. Ein größerer Liebesakt ist nicht vorstellbar. Deshalb wird dies leider auch von vielen und in vielen anderen Religionen als provokante Zumutung begriffen bis heute. Weltweit sind Christenverfolgungen ohne diese Herausforderung an den Verstand nicht zu begreifen. Dennoch hat keine Geburt die Welt je so verändert wie die des heiligen Säuglings aus Bethlehem. Und keine hat sie schöner und menschlicher gemacht als dieses Wunder in der Jungfrau Maria, in deren Leib der Erlöser der Welt heranreifte. Alle Schönheit Roms und Freiburgs verdankt sich diesem Liebesakt und auch der ganze Kosmos der abendländischen Kultur, Kunst und Musik. […]

Wer sehen will, was Europa schön und groß und liebenswert gemacht hat und was das ‚C‘ ihrer letzten christlichen Parteien bedeutet, muss deshalb in diese Krippe schauen. Wer begreifen will, warum sich Millionen Menschen aufmachen und in ihrer Not nach Europa flüchten und nicht etwa nach China, muss auf dieses Kind blicken, dem wir die wichtigste Grundierung unserer westlichen Welt verdanken […].

‚Allahu akbar!‘ heißt dagegen der Gebetsaufruf der islamischen Welt. Das heißt auf Deutsch: ‚Gott ist der Größte!‘ Da würden wir gern mit einstimmen. Aus dem Mund von Terroristen aber ist er inzwischen zum Schreckensruf unserer Städte geworden – wie eben wieder vor dem Straßburger Münster. Das Wimmern des Christkinds in der Krippe aber flüstert uns das Gegenteil ins Ohr: ‚Gott ist der Kleinste!‘ Er selbst hat es so gewollt. Diese unfassbare Demut des Größten ist auf die kostbarste Weise als Signatur eingeschrieben in jene Welt, die wir lieben und die gegen oft übermächtig scheinende Gegner mit unserem Zeugnis verteidigt werden will.“

Hintergrund

Im September 2018 hatte Erzbischöf Gänswein gewarnt, dass angesichts der gegenwärtigen Lage des Christentums in westlichen Gesellschaften „das ganze Projekt unserer Zivilisation auf dem Spiel“ stehe. Die Kirche durchlaufe derzeit „eine wahrhaft endzeitliche Krise“. Die innere Krise des Christentums werde verstärkt durch äußere Bedrohungen bzw. durch die Tatsache, dass das Christentum „nicht nur in Europa […] seit Jahrzehnten wieder eine Völkerwanderung, die niemals mehr an ein Ende kommen wird“, erfahre.