Islamistischer Terrorismus: Christliche Einrichtungen und Veranstaltungen in Deutschland als mögliche Ziele

Wiktor Wasnezow - Die vier Reiter der Apokalypse (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

In Deutschland besteht weiterhin eine erhöhte Bedrohung durch islamistischen Terrorismus, die sich auch gegen christliche Einrichtungen sowie gegen Großveranstaltungen mit christlichem Bezug richtet. Dies unterstreichen heute bekannt gewordene mögliche Pläne von Islamisten zur Durchführung von Anschlägen gegen Weihnachtsmärkte in Sachsen.

Das Christentum als Feindbild militanter Salafisten

Die gegenwärtige terroristische Bedrohung für Ziele mit christlichem Bezug in Deutschland geht vor allem von militanten Salafisten aus. Diese stellen Deutschland als christliche „Kreuzfahrer-Nation“ dar, gegen die Anschläge prinzipiell legitim seien. Akteure aus dem Umfeld des IS hatten in diesem Zusammenhang 2015 angekündigt, Europa zu einem „Schlachtfeld“ machen zu wollen. Ziel sei die „Eroberung von Rom“, was in der Propagandasprache militanter Salafisten zum Ausdruck bringen soll, dass Europa für sie identisch mit seinem christlich-abendländischen Erbe und dessen Vernichtung das langfristige Ziel ihrer Aktivitäten ist.

Die christenfeindlichen Motive militanter Salafisten wurden beispielhaft in der Tat des Palästinensers Ahmad A. sichtbar, der im Juli 2017 in Hamburg Passanten mit einem Messer angriff und dabei einen Mann tötete. Er habe nach eigenen Angaben durch seine Tat möglichst viele Christen töten wollen und bedauert, dass er nicht mehr Menschen habe töten können. Auslöser der Tat war laut seiner Aussage eine Predigt in der As-Sahaba-Moschee in Hamburg-Barmbek, die er kurz vor seiner Tat aufgesucht habe.

Weihnachtsmärkte als potenzielle Anschlagsziele

Nach Angaben des Landeskriminalamts Sachsen besteht für Weihnachtsmärkte in dem Bundesland aktuell eine „besondere Gefährdungsrelevanz“. Die Generalstaatanwaltschaft Sachsen ermittele gegenwärtig gegen eine Syrerin und eine Tschetschenin, die mutmaßlich Anschläge gegen Weihnachtsmärkte in Dresden und Chemnitz geplant hätten.

2010 warnten deutsche Sicherheitsbehörden, dass eine Al-Qaida-Zelle Anschläge gegen Weihnachtsmärkte in Deutschland vorbereite. Eine Propagandazelle aus dem Umfeld des IS hatte im November 2017 Aufrufe zu Anschlägen gegen Weihnachtsmärkte und Kirchen in Europa veröffentlicht.

Weihnachtsmärkte in Deutschland waren seit 2016 bereits mehrfach Ziel erfolgreicher und versuchter islamistischer Anschläge:

Unabhängig davon stellen Weihnachtsmärkte wegen des hohen Besucheraufkommens und der offenen Zugangsmöglichkeiten aus der Sicht von Sicherheitsbehörden allgemein ein potenzielles Ziel islamistischer Anschläge dar. 2018 werden viele Weihnachtsmärkte in Deutschland aufgrund der erhöhten Bedrohung durch islamistischen Terrorismus mit großem Aufwand gesichert, der im Vergleich zu den Vorfahren oft nochmals verstärkt wurde.

Kirchen und Gottesdienste als potenzielle Anschlagsziele

Islamistische Anschläge gegen entsprechende Ziele sind außerhalb Europas häufig zu beobachten, etwa in Ägypten oder Nigeria. Auch in Deutschland verfolgen militante Islamisten nach eigenen Angaben die Absicht, Anschläge auf Kirchen zu verüben.

In besonders exponierten Kirchen in Deutschland wurden daher 2017 zeitweise zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen eingeführt.

Bewertung

Gilles de Kerchove, der Koordinator für die Terrorismusbekämpfung der Europäischen Union, hatte im vergangenen Jahr erklärt, dass sich die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus in Europa voraussichtlich langfristig auf einem hohen Niveau bewegen und weiter zunehmen werde. Grund dafür sei vor allem das starke Wachstum des militant-salafistischen Spektrums in vielen Staaten Westeuropas.

In Folge dessen wird auch die Wahrscheinlichkeit islamistischer Anschläge gegen Christen und christliche Ziele in Deutschland weiter zunehmen. Die Fähigkeit militanter Islamisten zur Verübung komplexerer Anschläge in Deutschland hat in Folge des erfolgreichen Vorgehens gegen den IS in Syrien und im Irak seit 2016 jedoch abgenommen.

Die in den vergangenen Monaten zu beobachtenden Vorgehensweisen islamistischer Terroristen in Westeuropa legen nahe, dass das wahrscheinlichste Anschlagsszenario gegen Ziele mit christlichem Bezug gegenwärtig eine Tat durch einen Einzeltäter gegen ein schwach gesichertes Ziel mit hoher Besucherdichte ist, bei dem der Täter eine Hieb- und Stichwaffe, eine Schusswaffe oder ein Fahrzeug als Waffe verwendet.

Der Großteil islamistisch-motivierter Gewalt gegen Christen in Deutschland wird sich jedoch voraussichtlich weiterhin unterhalb der Schwelle zum Terrorismus und somit auch der Schwelle der öffentlichen Wahrnehmung bewegen und sich vorwiegend gegen Christen richten, die im unmittelbaren Umfeld von Islamisten leben. Solche Gewalt betrifft gegenwärtig vor allem Christen mit Migrationshintergrund, die in Asylbewerberunterkünften und sozial schwachen Stadtteilen leben, sowie christliche Konvertiten und christliche Schüler an Schulen mit hohem Anteil radikaler muslimischer Schüler.

Quellen

  1. Ahmad Mansour: Klartext zur Integration. Gegen falsche Toleranz und Panikmache, Frankfurt a. M. 2018, S. 219.