Metropolit Hilarion: Zur Lage des Christentums in Europa

Alfons Mucha - Die Einführung der slawischen Liturgie (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Hilarion Alfejew ist russisch-orthodoxer Metropolit von Wolokolamsk und Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats. In einem kürzlich in Lissabon gehaltenen Vortrag äußerte er sich zur Lage des Christentums in Europa. Er warnte in diesem Zusamenhang davor, dass sich ein „säkularer Totalitarismus“ in Europa herausbilde und kritisierte die Kirchen Westeuropas dafür, vor den damit verbundenen Herausforderungen weitgehend kapituliert zu haben.

Das Christentum in Westeuropa habe vor den ihm gegenüberstehenden Herausforderungen größtenteils kapituliert und sich im Zuge von Modernisierungsprozessen in weiten Teilen säkularen Ideologien innerlich angepasst. Von ihm gehe keine erneuernde Wirkung mehr auf die Kulturen Europas aus. Der Protestantismus sei von diesem Problem am stärksten betroffen. Dieses Christentum sei nicht mehr der Wächter des kulturellen und historischen Erbes Europas und beinhalte keinen lebendigen Glauben mehr.

In dieser Lage müssten sich Christen darauf verlassen, dass Jesus Christus solche Bedrängnis vorausgesagt und versprochen habe, dass er jene, die ihm nachfolgen, nicht im Stich lassen werde.

Hintergrund

Hilarion unterstützt der engen Bindung der Russisch-Orthodoxen Kirche an den russischen Staat entsprechend in außen- und sicherheitspolitischen Fragen die Positionen der russischen Regierung. Er gilt als potenzieller Kandidat für höchste Ämter in der russisch-orthodoxen Kirche und tritt für eine strategische Allianz zwischen der katholischen Kirche und der russischen Orthodoxie ein.

Dem Protestantismus in Europa steht er hingegen distanzierter gegenüber. Dieser habe sich zu einer „light Version des Christentums“ entwickelt, die sich im Zuge ihrer Versuche, die christliche Lehre moderner und „politisch korrekter“ zu gestalten, auf dem „Weg zum geistlichen Tod“ befände:

„Ein […] Salz, das die Kraft des eigenen Geschmacks verloren hat, werden in dieser unserer Zeit einige protestantische Gemeinschaften, die sich christlich nennen, aber moralische Ideale predigen, die mit dem Christentum unvereinbar sind. Wenn eine Gemeinschaft von dieser Art, den Ritus der Segnung homosexueller Verbindungen einführt, und eine lesbische Frau, die sich selbst als „Bischof“ bezeichnet, dazu auffordert, aus den Hafenkirchen die Kreuze zu entfernen und sie durch islamische Halbmonde zu ersetzen, kann eine solche Gemeinschaft als „Kirche“ bezeichnet werden? Vor unseren Augen wird das Christentum verraten von jenen, die bereit sind, das Spiel der säkularisierten, entklerikalisierten und gottlosen Gesellschaft zu spielen.“

Vor einiger Zeit war eine Sammlung mit Aufsätzen Hilarions unter dem Titel „Die Zukunft der Tradition: Gesellschaft, Familie, Christentum“ im Landt-Verlag erschienen.