Erzbischof Gänswein: Die christliche Zivilisation ist in Gefahr

Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski - Schiffsuntergang (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Die Krise der Kirche und des Christentums

Die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit der Aufdeckung von Missbrauchs-Netzwerken, welche die Kirche bis auf höhere Hierarchieebenen unterwandert haben, seien eine „Katastrophe“, die einen „Zusammenbruch“ der Kirche nach sich ziehen könnte.

  • Die Kirche befände sich gegenwärtig „mitten in der Gottesfinsternis“ und durchlaufe „eine wahrhaft endzeitliche Krise“. Es gebe eine „Ökumene des Unglaubens“, die alle christlichen Konfessionen erfasst habe. Diese Krise habe schon vor langer Zeit begonnen und die Volkskirche sei in Europa „schon lange gestorben“.
  • Weder die mahnenden Worte Papst Benedikts XVI., der von „Schmutz“ und „Verrat“ im Innern der Kirche gesprochen hatte, noch „die Lippenbekenntnisse von einem Großteil der Hierarchie“ hätten dem Wirken des Bösen in der Kirche Einhalt gebieten können.
  • Möglicherweise sei jetzt der Punkt erreicht, der im Katechismus als „die letzte Prüfung der Kirche“ angekündigt wird. Wenn die Kirche sich nicht erneuere, „steht […] das ganze Projekt unserer Zivilisation auf dem Spiel“.
  • Die innere Krise des Christentums werde verstärkt durch äußere Bedrohungen bzw. durch die Tatsache, dass das Christentum „nicht nur in Europa […] seit Jahrzehnten wieder eine Völkerwanderung, die niemals mehr an ein Ende kommen wird“, erfahre.

Die gegenwärtige Lage sei vergleichbar mit der Zeit unmittelbar vor dem Untergang des Römischen Reiches, das ebenfalls durch eine Kombination aus innerer Dekadenz und äußerem Druck zerstört worden sei, was einen beispiellosen Kulturbruch nach sich gezogen habe. In dieser Lage sei jedoch der hl. Benedikt von Nursia als Ordensgründer hervorgetreten, der „die Kirche durch die Wirren der Zeit rettete und damit die europäische Zivilisation im gewissen Sinn neu begründete“.

Die Benedikt-Option als Antwort auf die Krise

Gänswein zufolge enthalte das Buch „Die Benedikt-Option“, das sich auf Benedikt von Nursia bezieht und in dem der Autor Rod Dreher eine Strategie für christliches Leben in postchristlichen Gesellschaften entwirft, geeignete Antworten auf die gegenwärtige Krise.

Die Benedikt-Option sei eine „wunderbare Inspiration“ und gleiche „einer praktikablen Anleitung zum Bau einer Arche“. Es gebe „keinen Staudamm […] mit dem sich die große Flut noch aufhalten ließe, die nicht erst seit gestern dabei ist, das alte christliche Abendland zu überschwemmen“. Drehers Blick auf die Lage sei gleichermaßen analytisch und prophetisch, denn er habe „die große Flut kommen sehen“. Sein Strategieentwurf erscheine „in weiten Teilen quasi im stillen Dialog mit dem schweigenden Papa emerito verfasst“, aber die beschriebene Strategie müsse noch konkretisiert werden. Die „Stunde der souveränen Laien“ sei nun gekommen.

Hintergrund

Wir haben die Benedikt-Option hier ausführlich vorgestellt. Dreher hatte sich vor einigen Wochen positiv über den ersten Strategieentwurf unseres Vorhabens geäußert, der im Sinne des Aufrufs von Erzbischof Gänswein den Ansatz der Benedikt-Option zu konkretisieren versucht.