Islamisierungsprozesse in westeuropäischen Städten: Neue soziologische Erkenntnisse

Iwan Aiwasowski - Ansicht Konstantinopels (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Soziologe und Integrationsforscher Maurice Crul beschrieb in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kürzlich demographisch getriebene kulturelle Veränderungsprozesse in westeuropäischen Großstädten, bei denen es sich faktisch um Islamisierungsprozesse handelt. Integration fände in Europa praktisch nicht mehr statt. Die Zeitung „Die Welt“ stellte außerdem Erkenntnisse des Soziologen Farhad Khosrokhavar über die von ihm als „dschihadogen“ beschriebenen Bedingungen in islamisierten Räumen in französischen Großstädten vor.

Crul zufolge würden einheimische, tendenziell christliche Bevölkerungen gegenwärtig in vielen westeuropäischen Großstädten zu Minderheiten werden. In sozial schwachen Stadtteilen, in die besonders viele Migranten ziehen, sowie in jüngeren Altersgruppen sei dieser Prozess besonders weit fortgeschritten.

  • Laut Crul gibt es „Integration im klassischen Sinne […] in Großstädten nicht mehr“. Werte und Normen des Zusammenlebens würden stattdessen laufend neu „ausgehandelt“, was „nicht immer einfach“ sei. Für Einheimische seien die damit verbundenen kulturellen Veränderungen häufig „traumatisch“ und würden „ein Gefühl von Verlust“ erzeugen.
  • Die von Crul beschriebenen Aushandlungsprozesse seien vor allem mit Anpassungsforderungen gegenüber der einheimischen Bevölkerung verbunden. Dieser Anpassungsdruck werde künftig noch weiter zunehmen, da nicht integrierte Migranten als Wählerblock ihre Forderungen immer auf politischem Weg durchsetzen könnten. Die älter werdenden Einheimischen „sterben aus, und die jungen Migranten wählen immer zahlreicher“. Nicht integrierte Migranten würden vor allem progressive Parteien wählen, die für mehr Umverteilung und offene Grenzen eintreten und die kulturelle Anpassung von Migranten ablehnen.
  • Das Bild dessen, was es bedeute, Einheimischer zu sein, „verändert sich ganz grundlegend“, da durch Migration eine neue Norm geschaffen werde, vor deren Hintergrund die einheimische Minderheit ihre Kultur und ihre Normen und Werte gegenüber den neuen Mehrheiten zu rechtfertigen habe.

Der Soziologe Farhad Khosrokhavar hatte kürzlich von „dschihadogenen“ Räumen gesprochen, die sich in Folge der unter anderem von Crul beschriebenen Islamisierungsprozesse in westeuropäischen Großstädten zunehmend bilden würden. Islamisierte Räume in französischen Großstädte seien von den folgenden Bedingungen gekennzeichnet:

„Es sind Zonen, die der Soziologe Farhad Khosrokhavar als ‚dschihadogen‘ bezeichnet, die den Nährboden für den Dschihadismus liefern. Der Spezialist für Radikalisierung benennt die Faktoren, die sich an allen Problemvierteln Europas durchdeklinieren lassen: eine Konzentration von jungen Männern derselben ethnischen Herkunft, Stigmatisierung, Gettoisierung, Entwicklung illegaler Parallelwirtschaft und Kriminalität, Jugendarbeitslosigkeit, oft doppelt so hoch wie im Rest des Landes, aufgesprengte Familienstrukturen.

Entstanden sind soziale Enklaven, die geografisch, wirtschaftlich, verkehrstechnisch, aber vor allem symbolisch von den Aktivitätszentren abgehängt sind. Die Personen, die aus der Gesellschaft auf diese Weise ausgeschlossen wurden, so Khosrokhavar, strebten nicht einmal mehr an, wieder in sie integriert zu werden. Sie würden sich vielmehr um ‚Nichtdazugehörigkeit‘ bemühen, die sie demonstrativ ausstellen.“

Khosrokhavar zufolge würden sich die von diesen Bedingungen geprägten Räume ausweiten. Solche Räume seien zudem nicht mehr nur in den Vorstädten von Paris, Marseille und Lyon zu finden, sondern auch in mittelgroßen Städten.

Hintergrund und Bewertung

Islamisierung ist der von Normen- und Wertekonflikten begleitete Prozess der Durchdringung von Gesellschaften durch islamische oder islambezogene Praktiken, Normen, Werte und Ordnungsvorstellungen. In Europa ist Islamisierung vor allem die Folge der demographischen Entwicklung sowie eine Folge von kulturellen und politischen Entwicklungen in den jeweiligen muslimischen Bevölkerungsanteilen.

Mehrere 2017 erschienene religionsdemographische Studien hatten entsprechende Tendenzen und ihre langfristigen Auswirkungen in Europa beschrieben und darauf hingewiesen, dass die laufende Migrationsbewegung aus islamisch geprägten Gesellschaften diese Tendenzen deutlich beschleunige.

Islamisierungsprozesse haben zahlreiche negative Auswirkungen auf christliches Leben in Europa, die mittel- und langfristig voraussichtlich weiter zunehmen werden.

  • Da der Christenanteil in den einheimischen Unterschichten, die in den derzeit besonders von Islamisierungsprozessen betroffenen sozial schwachen Stadtteilen leben, sehr gering ist, betreffen die negativen Folgen dieser Prozesse derzeit vor allem Christen mit Migrationshintergrund sowie ehemalige Muslime, die zum Christentum konvertierten.
  • Im Zuge des Ausgreifens dieser Prozesse auf Räume außerhalb sozial schwacher Stadtteile sind aber auch andere Gruppen von Christen, zum Beispiel christliche Schüler der Mittelschicht an Schulen mit hohem Anteil muslimischer Schüler, zunehmend betroffen.

Christen mit Migrationshintergrund in Deutschland beschreiben in diesem Zusammenhang, dass sie von mutmaßlich organisiert handelnden Gruppen jüngerer muslimischer Männer bedroht oder auf andere Weise unter Druck gesetzt würden, zum Islam zu konvertieren. Konvertiten würden häufig auch von eigenen Angehörigen bedroht.

Ehemalige Muslime berichten außerdem, dass Christen von Muslimen tendenziell als schwach wahrgenommen würden. Das Schwache verdiene der in islamisch geprägten Kulturen vorherrschenden Vorstellung nach keine besondere Achtung, sondern gelte als ehrlos. Ehre werde in islamisch geprägten Kulturen mit Stärke assoziiert, die durch die Fähigkeit und Bereitschaft des Mannes zur Demütigung anderer demonstriert werde. Christen würden somit nicht nur aus religiösen, sondern auch aus islambezogenen kulturellen Motiven heraus unter Druck gesetzt. Für viele muslimische Männer sei es attraktiv, sich durch die Demütigung von Christen ein Gefühl von Ehre und Respekt zu verschaffen, da Christen in der Regel nicht über den Rückhalt einer Großfamilie verfügten und nicht die Unterstützung zahlreicher gewaltbereiter Männer mobilisieren könnten.

Kirchliche Organisationen würden bei Hilfsersuchen von Christen mit Migrationshintergrund überwiegend abweisend reagieren. Betroffene berichten, dass sie den Eindruck hätten, dass das Thema der Diskriminierung und Verfolgung von Christen durch radikale Muslime in Deutschland als politisch inopportun gelte. Auch von Behörden würden die Betroffenen in der Regel keine Unterstützung erhalten. Es bestehe hier nur ein geringes Interesse an der Verfolgung von Straftaten gegen Christen, was auf Nachfrage zum Teil mit geringen Erfolgsaussichten begründet werde.