Heinrich David: Das Herrentum des dienenden Mannes

Christlicher Ritter - Aus dem Psalter von Westminster (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der katholische Theologe Heinrich David beschrieb in seinem ursprünglich 1953 im Herder-Verlag erschienenen und kürzlich neu aufgelegten Werk mit dem Titel „Das Bild des christlichen Mannes“ das katholische Ideal der Männlichkeit. Der Mann sei nur dort ein Herr, wo er im Dienst stehe. „Christliches Herrentum“ fände „sein Wesen und seine Erfüllung im Dienst am Kleinen und Hilfsbedürftigen“. Weil er der christliche Mann Verantwortung für die Schwachen trage, dürfe er selbst nicht schwach sein.

Der Gegensatz zwischen christlicher Männlichkeit und „Gewaltmenschentum“

David stellt in seinem Werk den radikalen Gegensatz zwischen dem christlichen und dem säkularen Verständnis von Männlichkeit heraus. In den Jahren vor der Veröffentlichung des Buches habe Europa ein auf „widerlichsten Verzerrungen“ beruhendes Verständnis von Männlichkeit in Form eines „Gewaltmenschentum“ erlebt, „das seine Größe darin sieht, die Menschen in die Knie zu zwingen“. Er verstand sein Werk als Beitrag, um „dem hochmütigen und selbstherrlichen Auftreten unchristlichen Mannestums, das sich überall breitmacht, wirksam begegnen zu können“.

Das christliche Patriarchat

David beschreibt in seinem Werk zunächst die geistigen Grundlagen des christlichen Patriarchats. Dieser erst seit der Durchsetzung neo-marxistischer Ideologie in Europa seit den späten 1960er Jahren häufig negativ konnotierte soziologische Begriff beschreibt ein System von sozialen Beziehungen, das auf der Übernahme von Verantwortung für andere durch den Mann in seiner Rolle als Vater beruht.

Jesus Christus habe laut David Vaterschaft vor allem auch durch diese Übernahme von Verantwortung definiert. Es mache laut Christus den Vater aus, dass er keinen von denen, die ihm anvertraut seien, zugrunde gehen lasse.1

Vaterschaft sei kein Privileg, sondern ein Auftrag. Der christliche Mann nehme als Vater teil an der göttlichen Vaterschaft. Dies sei die Grundlage seiner Autorität, „und darum nimmt er auch teil an der göttlichen Würde und Macht, die in der Vaterschaft gründet. Aber er muss seine Würde und Macht sichtbar werden lassen in der Bereitschaft zum Dienen.“ Echte, auf Gott gegründete Autorität könne man nicht verlieren, und ihre Träger suchten daher auch nicht nach äußeren Zeichen ihrer Bestätigung.

Dienst und Herrentum

Christliche Männlichkeit sei gleichbedeutend mit „Herrentum“, weil sie den Mann nach dem Vorbild Jesu Christi präge und forme, welcher der Herr im eigentlichen Sinne sei. Im Dienst zu stehen sei die Eigenschaft, die den Herren ausmache.

In Jesus Christus „leuchtet Herrentum göttlich hell auf“, weil er im unbedingten Gehorsam gegenüber Gott dem Vater den größten Dienst an den Menschen geleistet habe. Dabei sei er weder von Furcht noch von Eitelkeit getrieben gewesen. Das Leben des christlichen Mannes bestehe darin „seinem Urbild sich anzugleichen“ und ein Herr zu werden, also ein Erhalter, Beschützer und Fortsetzer des Lebens und nicht dessen Totengräber:

„Mit dem Blick auf das Urbild Christus müssen wir sagen: Herrentum ist in dem Maße innerlich echt und groß, als ihm die Fähigkeit und Bereitschaft ehrfürchtigen Dienens innewohnt. Das bedeutet für unsere Darlegungen: der Mann ist in dem Maße Herr und ehrfurchtgebietend, in dem er fähig und bereit ist, ehrfürchtig dem Leben zu dienen. Wahres Herrentum offenbart sich in dem Drang, dem Kleinen zu dienen. […]

Herrentum und Dienen gehören zusammen. Ein Herrentum ohne Demut – Dien-Mut – gibt es nicht. Wer Herr sein will, muss dienen wollen, muss sich ehrfürchtig zu dem Kleinen, Niedrigen, Hilfsbedürftigen neigen. Wer das nicht will, ist kein Herr. […] Christi Herrentum drängt wegen seiner Echtheit aus dem innersten Kern heraus zum Dienen, zum Dienst gerade am Kleinen und Niedrigen. […]

Alles Herrentum auf Erden nun muss Abbild dieses göttlichen Herrentums sein. In allem echten Herrentum muss die Bereitschaft und der Drang sein, sich der äußeren Würde zu begeben im Dienst am Hilfsbedürftigen, damit die innere Würde und Echtheit umso heller aufleuchtet. In besonderer Weise ist der Mann aufgerufen, dieses göttliche Herrentum darzustellen. […]

Er muss sich darüber klar sein, dass eine Verweigerung des Dienens gegen sein Wesen als Mann geht, dass der Stolz und die Selbstherrlichkeit eine Offenbarung seiner Unmännlichkeit sind. Der stolze und selbstherrliche Mann ist in Wirklichkeit Mann, weil er nicht Herr ist. […] [I]m Dienen erst muss sich das Herrentum als echt erweisen, dann erst kann es Ehre beanspruchen.“

Die Pflicht des christlichen Mannes zur Stärke

Weil der christliche Mann Verantwortung für den Schutz der Schwachen tragen müsse er selbst stark sein, wie der hl. Apostel Paulus betont habe.2 Der christliche Mann müsse wie der im Buch der Sprichwörter im Alten Testament beschriebene feste Turm sein, bei dem die Menschen Schutz und Geborgenheit fänden.3 Der christliche Mann sei aufgrund seiner Stärke und seines Willens zu dienen „Ruhepunkt für jemanden oder für viele“.

Mit der ihm gegebenen Kraft überwinde der christliche Mann Nöte in seiner Umgebung. Das Mitleid des christlichen Mannes bestehe darin, diese Nöte zu erkennen und ihnen entgegenzutreten. Männliches Mitleid vermeide dabei die Zurschaustellung von Gefühlen, denn es sei keine „jammerige, weibische Wehleidigkeit“, die sowohl den Mann als auch die Frau entehre.

Die Stärke des christlichen Mannes sei eine „in Gott gegründete Festigkeit“. Er suche nicht wie der einem unreifen Kind gleichende, Unheil stiftende säkulare Mann falsche Stärke „in den dunklen Tiefen einer menschlichen Leidenschaft“. Nur auf der Grundlage des Gehorsams gegenüber Gott und durch die Gnade Gottes könne es dem Mann gelingen, „dass seine Macht nicht Rohheit und sein Mut nicht Hass wird“. Es läge jenseits der Kraft des Menschen, einem Feind zu vergeben oder auf das Böse mit dem Guten zu antworten.

Der christliche Mann als Verteidiger

Verantwortung zu übernehmen und für den Schutz des Nächsten einzutreten könne damit verbunden sein, gegen jene zu kämpfen, die den Nächsten bedrohen:

„Das also ist der christliche Mann, den es nicht in Ruhe lässt, wenn er von Hilfsbedürftigkeit und Not weiß, den es drängt, sich über das hilfsbedürftige Leben zu beugen, um es aufzuheben […]. Das ist der christliche Mann, der bereit ist, stehenzubleiben, wenn der Wolf kommt, um sich über das anvertraute Leben zu stürzen, der bereit ist, sein eigenes Leben im Dienste des anderen hinzugeben.“4

Als Kämpfer sei der christliche Mann jedoch stets Verteidiger und niemals Angreifer:

„Die Kampfbereitschaft des christlichen Mannes für alles Gute und Hohe ist eine ausgesprochene Hilfsbereitschaft. Sie hat eine eindrucksvolle Verwirklichung gefunden im Ideal des christlichen Ritters, der im Gegensatz zu den Recken der Nibelungen und den späteren Raubrittern Schützer und Schirmer der Schwachen war und sich bei der Schwertleite vor dem Altare verpflichtete, „für den Glauben kühnlich das Leben zu wagen, die Kirche und ihre Diener von Raubgesellen zu befreien, Witwen, Waisen und Pilger zu beschützen und für jeden Unschuldigen den Zweikampf aufzunehmen.“5

Dieser schützende und verteidigende Kampf richte sich außerdem nicht gegen Menschen, sondern ausschließlich gegen das Böse und das Unrecht, das von Menschen ausgehen könne. Für den christlichen Mann gelte das Gebot der Feindesliebe, die auch den Feind als Nächsten ansehe und ihm diene, sobald die von ihm ausgehende Bedrohung bekämpft sei. Die „Größe christlichen Mannestums“ zeige sich letztlich auch darin „dass der Mann das Leid, das er in dem Kampf zufügen muss, als sein eigenes empfinde und sich hilfsbereit niederbeugt, um die Wunde zu verbinden.“

Quellen

  1. Joh 6,39
  2. Röm 15,1
  3. Spr 18,11
  4. Heinrich David: Über das Bild des christlichen Mannes, Bobingen 2014, S. 95 ff.
  5. Heinrich David: Über das Bild des christlichen Mannes, Bobingen 2014, S. 95 ff.