Václav Benda: Warum es keinen guten Marxismus gibt

Ambrogio Lorenzetti - Die Allegorie der schlechten Regierung (gemeinfrei)

Der katholische Philosoph Václav Benda war einer der führenden Dissidenten in der kommunistischen Tschechoslowakei. In seinen Texten, die kürzlich unter dem Titel „The Long Night of the Watchman“ in englischsprachiger Übersetzung erschienen sind, lehnt er die Vorstellung, dass es einen guten Marxismus geben könnte, grundsätzlich ab.

Teile der Kirche hätten sich von marxistischer Ideologie korrumpieren lassen. Jede Annäherung an diese Ideologie sei jedoch falsch, da es nie zum Guten führen könne, wenn man sich am Bösen orientiere.

Die Korrumpierung von Teilen der Kirche durch antichristliche Ideologie

Das größte Problem des Marxismus sei die von ihm auf viele Menschen ausgeübte Verführungskraft, die auch manche Christen erfasst habe. Teile der Kirche hätten marxistische Ideologie übernommen und würden diese in eine christliche Sprache gekleidet anstelle der christlichen Botschaft verbreiten.

Dabei würden sie behaupten, dass der Marxismus von guten Ansätzen geprägt sei und seine totalitären Ausprägungen nichts mit seinem eigentlichen Inhalt zu tun hätten. Tatsächlich handele es sich beim Marxismus jedoch um eine ihrem Wesen nach totalitäre und vor allem auch antichristliche Ideologie.

  • Entsprechend beeinflusste Teile der Kirche würden behaupten, dass das marxistische Verständnis von Gleichheit Nähe zum christlichen Verständnis aufweisen würde. Das Gleichheitsversprechen des Marxismus gehe laut Benda jedoch nicht wie der christliche Gleichheitsbegriff von einer Gleichwertigkeit der Menschen vor Gott aus, sondern strebe die Auflösung von Gesellschaften in atomisierte, politisch steuerbare Massen an.
  • Die marxistische Vorstellung der Schaffung eines irdischen Paradieses durch die Kraft des Menschen beruhe außerdem auf einem antireligiösen Grundimpuls, der den Kern des Christentums verneine.

Der Marxismus sei darüber hinaus auch ein Feind der Kirche und der Familie, weil diese als autonome Bereiche der Gesellschaft seinem totalen Herrschaftsanspruch entgegen stehen würden. Er würde diese Institutionen daher überall bekämpfen, wo er politische Macht ausübe. Eine friedliche Koexistenz zwischen Christentum und Marxismus sei nicht möglich.

Marxismus als Ideologie der Vernichtung

Besondere Destruktivität erlange der Marxismus durch seine Vorstellung, dass zur Verwirklichung des Guten die Beseitigung von bestimmten Gruppen von Menschen erforderlich sei. Ideologien dieser Art würden stets zu „Hekatomben von Toten und Versklavung der Überlebenden“ führen, was auch die Geschichte des Marxismus präge.

Marx habe nihilistisch gedacht und nicht nur Gott, sondern auch das Konzept der Wahrheit abgelehnt. An die Stelle von Wahrheit seien in seinem Denken „objektive Klasseninteressen“ getreten, die dem Machtstreben der Ideologie und den von ihr angewandten Mitteln keinerlei Grenzen gesetzt hätten.

Die marxistische Vorstellung von Revolution sei ebenfalls nihilistisch. Sie beruhe ausschließlich auf der Negation des Bestehenden und dem Streben nach seiner Zerstörung. Dies habe in Osteuropa zur Vernichtung des über viele Generationen gewachsenen kulturellen Erbes geführt.

Die Geistes- und Kulturfeindlichkeit des Marxismus

Der von Marx vertretene radikale Materialismus habe die Bedeutung des Ökonomischen auf Kosten aller anderen Faktoren menschlichen Lebens verabsolutiert. Durch diese Verkürzung und Verengung scheitere er bei der Erklärung der Welt oder bei der Schaffung besserer Alternativen zum Bestehenden.

Dieser Materialismus ersticke zudem jegliches geistige Leben. Von den Naturwissenschaften abgesehen habe der Marxismus die Kultur der Gesellschaften vernichtet, die er beherrsche. Der Marxismus sehe in Bildung, Wissenschaft, und Kultur nur Instrumente der Macht und zerstöre in ihnen, was diesem Zweck nicht diene.

Das unsoziale Wesen des Marxismus

Der Marxismus könne auch seine sozialen Versprechen nicht halten. In fast allen der von Marx als „kapitalistisch“ bezeichneten Systeme gehe es den Ärmsten und Schwächsten der Gesellschaft besser als im kommunistischen Herrschaftsbereich.

Marxismus sei zudem unvereinbar mit der Vorstellung der Freiheit des Menschen. Es gebe kein einziges Beispiel für einen von Marxisten regierten Staat, der nicht totalitär gewesen sei.

Der christliche Umgang mit dem Marxismus

Marxismus sei eine bösartige Ideologie, aber ihre Anhänger seien Opfer des Bösen und nicht dessen Ursprung. Man müsse auf sie zugehen und um ihre Seele kämpfen.

Gleichzeitig müssten Christen sich innerlich von den Lügen des Marxismus fernhalten und auch die Kooperation mit Marxisten und marxistischen Staaten verweigern. Christen sollten zwar dem Kaiser geben, was des Kaisers ist. Wenn der Kaiser aber in seinen Forderungen keine Grenzen mehr kenne und auch die Seele des Menschen verlange, dann gebühre ihm nicht das Geringste.

Ein besonderes Problem stelle die Korrumpierung von Teilen der Kirche durch den Marxismus dar. Hier helfe es, auf den Rat Jesu Christi zu hören, denn die Korrumpierten erkenne man immer an ihren Früchten. Benda bezog sich hier vor allem auf staatsnahe tschechoslowakische Bischöfe der damaligen Zeit, welche den kommunistischen Staat bei seinem Kampf gegen das treu zu Tradition und Lehre stehende Christentum meist unterstützten. Diese sollten auf die Warnung Jesu Christi hören, dass nicht jeder Teil des Reiches Gottes sein werde, der sich als Christ bezeichne. Man könne nicht marxistischer Ideologie folgen und gleichzeitig Christ sein.