Papst Franziskus: Der drohende kulturelle Schiffbruch Europas

Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski - Die Woge (gemeinfrei)

In einem Gespräch mit der italienischen Zeitung „L’Eco di Bergamo“ hat Papst Franziskus die Postmoderne als eine mögliche letzte Etappe in der Geschichte des Westens bezeichnet. Sie erinnere an „eine Reise, die mit einem Schiffbruch endet“. Angesichts der laufenden kulturellen Entwicklung in Europa erscheine es ihm als immer weniger sinnvoll, die westliche Kultur mit dem Christentum gleichzusetzen.

Was die Lage des Christentums in Europa angehe, gebe es mehr Anlass zu Beunruhigung als zu Optimismus. In der Geschichte Europas habe es jedoch noch schwierigere Momente gegeben, in denen „leidenschaftliche Propheten der Wahrheit“ ihre Stimmen erhoben hätten. Deren Gedanken und Taten könnten auch für die Gegenwart als Kompass dienen.

Hintergrund

Postmoderne Ideologien lehnen die Annahme der Existenz absoluter Wahrheit bzw. des absolut Wahren, Guten und Schönen sowie die Möglichkeit der Annäherung an diese Wahrheit mit den Mitteln des Verstandes ebenso ab wie das Konzept der Natur des Menschen. Diese Konzepte werden von postmodernen Aktivisten als Ausdruck verborgener Machtansprüche verstanden, die mit dem Ziel der Unterdrückung des Menschen geschaffen worden seien, weshalb seine Befreiung deren Auflösung erfordere. Da diese Ideologien die Grundlagen jeglichen höheren geistigen Lebens ablehnen und bekämpfen, hatte Papst Franziskus sie am Beispiel der Gender-Ideologie als „Fehler des menschlichen Geistes“ kritisiert.

Franziskus hatte außerdem mehrfach davor gewarnt, dass sich Europa aufgrund des Wirkens postmoderner, aber auch neomarxistischer und liberaler Ideologien in einer seine kulturelle Existenz bedrohenden Krise befinde.

Im Oktober 2017 verglich er die gegenwärtige Lage in Europa mit der, „als die antike Zivilisation unterging“. Christen sollten für Europa eintreten, indem sie auf Grundlage christlicher Weltanschauung Gemeinschaften bildeten und Bindungen stärkten. Dadurch sollten sie als „Gegengift“ zu Ideologien wirken, die „losgelöst von jeder Bindung“ eine „entwurzelte Gesellschaft“ geschaffen hätten, „der der Sinn für die Zugehörigkeit und für das Erbe fehlt.“

Im November 2017 rief Franziskus zum Widerstand gegen Versuche auf, die kulturelle und religiöse Identität von Völkern durch „ideologische Kolonisierung“ zu zerstören. Franziskus kritisierte außerdem die kulturrevolutionären Tendenzen utopischer Ideologien: „Sie heben die Unterschiede auf, zerstören die Geschichte und sagen, dass ab sofort neu gedacht werden muss. Und wer das nicht gut findet, der wird beiseitegeschoben oder verfolgt.“