Benedikt XVI.: Die geistigen Waffen des Christentums im Kampf gegen den politischen Islam

In einem erst jetzt veröffentlichten, im Oktober 2014 entstandenen Text beschreibt der emeritierte Papst Benedikt XVI. das Konzept der Menschenrechte als geistige Waffe des Christentums im Kampf gegen den politischen Islam und andere totalitäre Ideologien. Zugleich kritisiert er nihilistische Tendenzen in liberalen Menschenrechtsideologien.

Papst Johannes Paul II. habe gegen totalitäre Ideologien wie den Marxismus als „konkrete Waffe den Gedanken der Menschenrechte“ ins Feld geführt, „der die Totalität des Staates begrenzt und damit den nötigen Freiraum nicht nur für persönliches Denken, sondern vor allem auch für den Glauben der Christen und die Rechte der Kirche bietet.“

Die Menschenrechte als geistige Waffe im Kampf gegen den politischen Islam

Die christlich verstandenen Menschenrechte seien jedoch nicht nur eine geeignete geistige Waffe in der Auseinandersetzung mit „atheistischen Diktaturen, sondern auch religiös begründeten Staaten, wie sie uns vor allem in der islamischen Welt begegnen“:

„Der Verschmelzung von Politik und Religion im Islam, die notwendig die Freiheit anderer Religionen, so auch der Christen, einschränkt, wird die Freiheit des Glaubens entgegengestellt, die nun in gewissem Maß auch den laikalen Staat als richtige Staatsform ansieht, in der die Freiheit des Glaubens Platz findet, auf die die Christen von Anfang an Anspruch erhoben haben.“

Johannes Paul II. habe diese Waffe „gegen Diktaturen aller Art“ auch deshalb eingesetzt, weil das Konzept der Menschenrechte „eine von der allgemeinen Vernunft anerkannte Macht“ sei und daher auch außerhalb des Christentums anschlussfähig sei.

Nihilistische Tendenzen in liberalen Menschenrechtsideologien

Das Konzept der Menschenrechte habe seine Wurzeln im christlichen Gedanken einer unverfügbaren, von Gott gesetzten moralischen Ordnung der Welt, über die sich auch ein Staat nicht hinwegsetzen könne. Der Gehorsam gegenüber Gott habe für Christen von Anfang an die Grenze jeder Gehorsamspflicht gegenüber dem Staat dargestellt. Eine weitere Grundlage der Menschenrechte sei die christliche Vorstellung der Gottesebenbildlichkeit des Menschen.

Liberale Menschenrechtsideologien hätten diesen Gottesbezug der Menschenrechte zunächst noch anerkannt, sich aber zunehmend von diesem gelöst und dadurch auch das Konzept der Menschenrechte relativiert und geschwächt.

„Was geschieht, wenn der Begriff der Menschenrechte vom Gottesbegriff abgelöst wird […] [:]Die Multiplikation der Rechte führt letzten Endes zur Zerstörung des Rechtsbegriffs und endet in einem nihilistischen ‚Recht‘ des Menschen, sich selbst zu verneinen – Abtreibung, Suizid, Produktion des Menschen als Sache werden zu Rechten des Menschen, die ihn zugleich verneinen.“

In diesem Zusammenhang warnt Benedikt vor den absehbaren Folgen der „gegenwärtigen geistigen Entwicklung des Westens, der immer mehr seine christliche Grundlage negiert und sich gegen sie kehrt“.

Hintergrund: Papst Benedikt XVI. über islambezogene Herausforderungen

Benedikt XVI. bzw. der damalige Kardinal Ratzinger sah in seinem 1987 erschienenen Werk „Kirche, Ökumene und Politik“ im Islam „ganz offenkundig gerade das Gegenmodell zur pluralistischen Demokratie“. Es sei daher nicht zu erwarten, dass der Islam in den freiheitlichen politischen Ordnungen Europas eine tragende Rolle einnehmen werde.

In seiner „Regensburger Rede“ hatte er sich indirekt zu islambezogenen Herausforderungen für das Christentum geäußert. Er zitierte damals eine Aussage zur Rolle der Gewalt im Islam, die der byzantinische Kaiser Manuel II. Palaiologos (1350–1425) während der Unterhaltung mit einem persischen Gelehrten vorgebracht hatte:

„Ohne sich auf Einzelheiten wie die unterschiedliche Behandlung von ‚Schriftbesitzern‘ und  ‚Ungläubigen‘ einzulassen, wendet er sich in erstaunlich schroffer, uns überraschend schroffer Form ganz einfach mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt überhaupt an seinen Gesprächspartner. Er sagt: ‚Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten‘. Der Kaiser begründet, nachdem er so zugeschlagen hat, dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. […] Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung… Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann.“

Die Rede führte auf islamischer Seite sowohl zu gewalttätigen Reaktionen als auch zu Erklärungen islamischer Geistlicher, in denen diese sich von Gewalt gegen Nichtmuslime distanzierten.

2012 äußerte sich Benedikt kritisch über die im Rahmen des II. Vatikanischen Konzils im Jahre 1965 veröffentlichte Erklärung „Nostra Aetate“, die das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen behandelt. In dem Dokument heißt es, dass die Kirche positiven Aspekten des Verhaltens von Muslimen „mit Hochachtung“ begegne. Papst Benedikt zufolge weise das Dokument die Schwäche auf, von Religion „nur positiv“ zu sprechen und „die kranken und gestörten Formen von Religion“ auszuklammern,“ die „geschichtlich und theologisch von großer Tragweite sind“.