Kardinal Sarah: Der Selbstmord Europas und die Verantwortung der Kirche

Kardinal Robert Sarah (François-Régis Salefran, CC BY-SA 4.0)

Der aus Guinea stammende Kardinal Robert Sarah gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der katholischen Kirche der Gegenwart. Während eines Aufenthalts in Belgien warnte er vor einigen Tagen vor dem drohenden kulturellen Selbstmord Europas und warf Teilen der Kirche des Kontinents eine Mitschuld an dieser Entwicklung vor.

Die geistig-kulturelle Lage westlicher Gesellschaften sei insbesondere in Europa Besorgnis erregend. Die Trennung dieser Gesellschaften von ihren religiösen Wurzeln im Zuge der Durchsetzung materialistischer Ideologien führe zunehmend dazu, dass sie ihre Seele verlieren würden, was sie nicht dauerhaft überleben könnten.

  • Europäischen Gesellschaften, die diesem Weg weiter folgten, drohe der Zusammenbruch. Eine von der Ordnung des Naturrechts losgelöste Anhäufung von Reichtum und Technologie würde diese Gesellschaften zu einem „steuerlosen Schiff“ machen, das „früher oder später auf die Riffe der Selbstsucht“ stoßen und sinken werde.
  • Die säkularen Akteure, welche die dahinter stehende globalistische kulturelle und wirtschaftliche Agenda vorantrieben, würden über enorme finanzielle Mittel sowie den Rückhalt der Medien verfügen und mit ihren „tödlichen Ideologien“ von westlichen Gesellschaften ausgehend die gesamte Welt „vergiften“.
  • Die Kirche in Europa befände sich in einer „großen Glaubenskrise“ und trage eine Mitschuld an dieser Entwicklung. Sie würde häufig nicht mehr treu zur eigenen Lehre und Tradition stehen, stattdessen Anpassung an utopische und materialistische Ideologien betreiben und mit entsprechenden Akteuren kollaborieren, etwa bei Anstrengungen zur Auflösung von Ehe und Familie. Kardinal Sarah sprach diesbezüglich von einem „Verrat“ von Teilen der Kirche an der Menschheit.

Die Kirche müsse in dieser Lage den Schatz ihrer Lehre und Tradition gegen die „Raubtiere einer Welt ohne Gott“ entschlossen verteidigen.

Hintergrund

Die Worte Kardinal Sarahs wurden von katholischen Medien als Antwort auf die jüngsten Vorstöße deutscher Christen in Lebens- und Familienfragen gedeutet.

Kardinal Sarah ist für seine besonders deutliche Ansprache der existenziellen Herausforderungen bekannt, denen das Christentum in Europa gegenübersteht. Bereits im November 2016 hatte er davor gewarnt, dass nicht nur der  Kultur, sondern auch den Menschen Europas der Tod durch Trennung von ihren Wurzeln und Abbruch der Weitergabe ihres Erbes drohe. Gegenüber französischen Medien sagte er:

„[D]ie größte Sorge besteht darin, dass Europa den Sinn für seine Ursprünge verloren hat. Es hat seine Wurzeln verloren. Und ein Baum, der keine Wurzeln hat, stirbt ab. Ich habe Angst, dass der Westen stirbt. Es gibt viele Anzeichen dafür. Niedrige Geburtsraten. Und ihr seid schließlich von anderen Kulturen überströmt, von anderen Völkern, die euch fortschreitend in ihrer Zahl dominieren und eure Kultur vollkommen verändern werden, eure Überzeugungen, eure Werte.“

Eine Übersicht über die Positionen Kardinal Sarahs haben wir hier veröffentlicht. (FG3)