Frankreich: Der Opfergang des katholischen Offiziers Arnaud Beltrame

Christlicher Ritter - Aus dem Psalter von Westminster (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der bekennende Katholik Arnaud Beltrame war als Oberstleutnant der paramilitärischen französischen Gendarmerie Nationale am vergangenen Freitag am Einsatz gegen einen islamistischen Terroristen im südfranzösischen Trèbes beteiligt.

Nachdem der Terrorist in einem Supermarkt Geiseln genommen hatte, entschloss sich Oberstleutnant Beltrame dazu, sich als Austauschgeisel zur Verfügung zu stellen. Er wurde dabei durch den Terroristen, einem aus Marokko stammenden salafistischen Muslim, tödlich verwundet. Seine Tat trug jedoch dazu bei, dass die meisten Geiseln gerettet werden konnten.

In Frankreich gilt Oberstleutnant Beltrame nun als „Märtyrer der Nation in ihrem Kampf gegen den islamistischen Terror“, wobei der katholische Glaube des Getöteten und seine damit verbundene Bereitschaft zum vorbehaltlosen Dienst am Nächsten hervorgehoben werden:

„Beltrames Mutter sagte später: ‚Als ich gehört habe, dass sich ein Polizist hat eintauschen lassen, wusste ich sofort, dass es mein Arnaud war. Seit seiner Geburt hat er alles für sein Vaterland getan. Das war sein Grund zu leben. Zu mir sagte er immer: ‚Das ist mein Job, Maman.‘‘ Sein Bruder Cédric Beltrame sagt: ‚Er gab sein Leben für jemand anderen. Obwohl er sicherlich wusste, dass er praktisch keine Chance hat. Trotzdem zögerte er keine Sekunde.'“

Oberstleutnant Beltrame war 2008 im Alter von 33 Jahren Katholik geworden. Der Priester Jean-Baptiste, der ihn und seine Verlobte Marielle im Juni hätte trauen sollen und ihm vor seinem Tod noch die Krankensalbung spenden konnte, schrieb über den Gefallenen:

„Als er an die Stelle der Geiseln trat, wurde er wahrscheinlich von seiner heroischen Auffassung des Dienstes als Offizier dazu bewegt, denn ein Gendarm zu sein bedeutete für ihn, zu schützen. Dabei war er sich der enormen Risiken bewusst. Er war sich auch seines Eheversprechens bewusst, das er Marielle gegeben hatte […]. Durfte er also dieses Risiko eingehen? Mir scheint, das nur sein Glaube die Verrücktheit seines Opfers erklären kann, das jetzt alle bewundern. Er wusste das, was Jesus uns sagte: ‚Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt‘ (Joh15,13). Er wusste, das sein Leben begonnen hatte Marielle zu gehören, aber auch Gott, Frankreich und seinen Brüdern im Angesicht der Gefahr. Ich glaube dass nur ein von der Nächstenliebe bewegter christlicher Glaube dieses übermenschliche Opfer von ihm fordern konnte.“

Oberstleutnant Beltrame werde niemals leibliche Kinder haben, aber sein Heroismus werde zahlreiche Nachfolger finden, die bereit sein werden, sich für ihr Land und sein Christentum zu opfern.

In einem anderen Artikel fügte der Priester hinzu, dass Oberstleutnant Beltrame häufig den Erzengel Michael um Hilfe gebeten habe.

Der Erzbischof von Regensburg, Rudolf Voderholzer, erklärte zur Tat Beltrames:

„Inmitten der Hölle dieses Geschehens blitzt ein Licht auf, das in seiner Größe und Menschlichkeit sprachlos macht, andächtig macht und jedenfalls für mich etwas vom Ostergeheimnis sichtbar macht, das zu feiern wir heute am Palmsonntag wieder begonnen haben. Da ist ein Mann, der im vollen Bewusstsein der möglichen Konsequenzen, für jemand anderen, in diesem Fall für eine fremde Frau, sein eigenes Leben einsetzt. […]

Das Lebensopfer des Arnauld Beltrame ist nicht nur ein Beispiel für militärische Tugenden, sondern macht etwas sichtbar vom Geheimnis der Pro-Existenz. Macht etwas sichtbar vom Geheimnis des Daseins-Für andere, der Stellvertretung, die im Zentrum der christlichen Erlösungsbotschaft steht. […]

In Trèbes hat ein Polizist sein Leben geopfert und auf diese Weise nicht nur eine Geisel befreit, sondern vermutlich noch größeres Unheil verhindert. Das laizistische Frankreich ehrt diesen Mann als Helden. Immerhin. Und weit über die Grenzen Frankreichs hinaus berührt die Tat des Arnauld Beltrame die Menschen und ruft Hochachtung und Bewunderung hervor. Im Licht des Glaubens dürfen wir in ihm wohl aber auch einen wahren Märtyrer sehen; einen Zeugen für die wahrhaft Leben schenkende und die Welt verwandelnde Kraft der göttlichen Liebe, die im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus vollends sichtbar geworden ist.“

Auch Papst Franziskus lobte die „heldenhafte Geste“ des Gendarmen und verurteilte die von radikalen Muslimen ausgehenden „verblendeten Gewaltakte, die so viel Leid verursachen“.

Hintergrund

Jedes Gemeinwesen braucht den Dienst von Menschen, die zum vorbehaltlosen Dienst am Nächsten bereit sind. Da dieser Dienst eine Form der tätigen Nächstenliebe in der Nachfolge Jesu Christi sein kann, gibt es im Christentum eine besondere Spiritualität des schützenden Dienstes. Auch der Dienst in Sicherheitsbehörden, Streitkräften und sonstigen Sicherheitsfunktionen kann somit eine christliche Berufung darstellen und man kann davon ausgehen, dass sein Dienst in der französischen Gendarmerie für Oberstleutnant Beltrame eine solche Berufung darstellte.

Diese Spiritualität ist durch die folgenden Eigenschaften geprägt:

  • Sie ist die Spiritualität ist des Apostels Paulus, der die ihm anvertrauten Menschen und Werke auf seinen mit Gefahren verbundenen Fahrten sicher durch den Sturm brachte (Apg 27,10).
  • Sie ist die Spiritualität des biblischen Nehemia, der die schützenden Mauern Jerusalems in Zeiten der äußeren Bedrohung und der inneren Auflösung erneuern, bewachen und verteidigen ließ.
  • Sie ist die Spiritualität des Ezechiel, den Gott im Angesicht von Gefahren und Bedrohungen zum Wächtertum berief (Ezechiel 33,2-7) und ihn aufforderte, sich zu rüsten und bereitzuhalten zur Abwehr der weltlichen Gegner des Volkes Gottes, damit dieses Volk in Sicherheit leben kann (Ezechiel 38,7-9). Gott beruft mit den Worten im Buch Ezechiel den zum Dienst bereiten Mann, damit er „eine Mauer baut oder für das Land in die Bresche springt“ (Ezechiel 22,30).
  • Diese Spiritualität strebt danach, „vertraut mit dem Schwert, geschult für den Kampf […] gegen die Schrecken der Nacht“ zu sein (Hoheslied 3,8).
  • Der dieser Spiritualität folgende Christ soll von sich sagen können: „Herr, den ganzen Tag stehe ich auf meinem Posten, die ganze Nacht halte ich Wache.“ (Jesaja 21,8)

Diese Spiritualität orientiert sich an den Erfordernissen des Dienstes in Grenzsituationen, unter Gefahr und im Angesicht von Risiken. Ihr zu folgen ist damit verbunden, Bedrohungen und Risiken aktiv zu suchen, auf sie zuzugehen und auf den Ruf Gottes zu antworten: „Hier bin ich, sende mich!“ (Jesaja 6,8).