Erzbischof Schick: Wachsamkeit und Entschiedenheit im Kampf gegen Christenfeindlichkeit erforderlich

Gentile Bellini - Sultan Mehmed II. (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat in einem in der „Frankfurter Allgemeine Woche“ veröffentlichten Gespräch angesichts zunehmender militanter Christenfeindlichkeit in Deutschland zu „höchster Wachsamkeit“ aufgerufen. Zudem forderte er, den Urhebern „mit Entschiedenheit“ zu begegnen. In Deutschland sei man zu oft „blauäugig“ gewesen, was die „Schwierigkeiten des Zusammenlebens in einer pluralen Gesellschaft“ angehe. Migranten mit christenfeindlichen Einstellungen dürften in Deutschland nicht willkommen sein.

  • Die vor einigen Tagen durch das Bundeskriminalamt vorgelegten Zahlen zu militanter Christenfeindlichkeit in Deutschland seien Besorgnis erregend. „Höchste Wachsamkeit“ sei bei diesem Thema geboten.
  • Es gebe „Radikalisierungstendenzen unter bestimmten Gruppen der Muslime“. Angriffe von Muslimen auf christliche Asylbewerber „dürfen nicht heruntergespielt werden“. Es gebe unter Migranten „zweifellos manche, die die freiheitliche Ordnung unseres Landes nicht verstehen oder nicht akzeptieren, auch welche, die nicht als Flüchtling, sondern als Terroristen gekommen sind“. Darauf müsse man reagieren.
  • Er stimme „selbstverständlich“ der Aussage des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) zu, dass Migranten mit christenfeindlichen Einstellungen in Deutschland nicht willkommen sein dürften. Man könne nicht „als Bürger unter Bürgern leben, wenn man die Gläubigen verachtet, die der Mehrheitsreligion angehören“ und für deren Wertekanon „keine Wertschätzung aufbringt“. Viele Deutsche seien „blauäugig“ gewesen, „was die Schwierigkeiten des Zusammenlebens in einer pluralen Gesellschaft angeht, in der auch verschiedene Religionen vorkommen“.
  • Es seien über radikale Kräfte im Islam hinaus christenfeindliche Radikalisierungstendenzen in Deutschland zu beobachten. Das durch das Christentum in die Gesellschaft hineingetragene Ethos würde auch auf die Ablehnung von Links- und Rechtsextremisten stoßen. Auch deren Handeln bringe „Gefahren für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das friedliche Miteinander mit sich“.

Im Kampf gegen Christenfeindlichkeit reiche polizeiliches Vorgehen alleine nicht aus. Es sei erforderlich, dass auch zivilgesellschaftliche Kräfte „sich mit Entschiedenheit“ gegen christenfeindliche Akteure stellen: „Ohne solche Grenzziehungen geht es nicht“.

Hintergrund

Eine aktuelle Studie der Universität Wien, die auch Christenfeindlichkeit untersucht, hatte ergeben, dass bei mindestens 35-40 Prozent der muslimischen Asylsuchenden gewaltlegitimierende christenfeindliche Einstellungen zu beobachten sind.

Einer ebenfalls aktuellen Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) zufolge seien bei einem erheblichen Anteil der jungen Muslime in Deutschland gewaltbejahende christenfeindliche Einstellungen zu beobachten. Rund 20 Prozent seien etwa der Ansicht, dass es die Pflicht von Muslimen sei, „Ungläubige zu bekämpfen und den Islam auf der ganzen Welt zu verbreiten“.

Eine wirksamere Bekämpfung von Christenfeindlichkeit durch staatliche Stellen im Einklang mit der christlichen Soziallehre müsste unter anderem den Erfordernissen der Klugheit und der Gerechtigkeit entsprechen. Dies bedeutet, dass eine solche Bekämpfung auf einer realistischen Beurteilung der Lage beruhen und auf dieser Grundlage zielgerichtete Maßnahmen durchführen würde, die der angestrebten Wirkung angemessen wären. Unfokussiertes Vorgehen, das nicht auf die Gruppe der Extremisten begrenzt wäre, oder exzessive Maßnahmen würden den Anforderungen der Soziallehre ebenso wenig entsprechen wie eine Verharmlosung der Lage oder unzureichend wirksame oder inkonsequente Maßnahmen der Bekämpfung.

Erzbischof Schick hatte in diesem Zusammenhang bereits 2017 zu mehr Wachsamkeit gegenüber islambezogenen Herausforderungen aufgerufen. Er forderte außerdem eine stärkere Steuerung von Migration nach den Erfordernissen des Gemeinwohls. Wer bestimmte Grenzen nicht beachte, „der kann auch nicht in dieser Gesellschaft leben“. In diesem Zusammenhang müsse „ein Stück christliches Abendland […]  wieder aufwachen“. Zudem hatte er muslimische Migranten an ihre Pflicht erinnert, die gewachsene Kultur in Europa zu respektieren, und zur humanen Gestaltung von Rückführungen aufgerufen. (FG2)