Angriffe auf Polizei und Feuerwehr in Deutschland: Kulturelle Hintergründe

Jean-Léon Gérôme - Bashi-Bazouk (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

In der Silvesternacht gab es in mehreren deutschen Städten eine Welle von Angriffen gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste, bei der zahlreiche Einsatzkräfte verletzt wurden. Für einen signifikanten Anteil der Vorfälle waren offenbar junge Männer mit muslimischem Migrationshintergrund verantwortlich. Dieses Phänomen hat vor allem kulturelle Ursachen und ist in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Staaten wie Frankreich, Schweden und Großbritannien schon seit längerer Zeit zu beobachten.

Vor allem in Stadtteilen mit hohem Anteil entsprechender Migranten käme es bei Einsätzen häufig zu spontanen Versammlungen junger Männer, die sich gegen die Feuerwehr wenden, Löscharbeiten behindern und Feuerwehrmitarbeiter beleidigen, anspucken oder körperlich angreifen würden. In Berlin könne die Feuerwehr deshalb zum Teil nur noch unter Polizeischutz operieren. Laut dem damaligen Berliner Innensenator Ehrhart Körting seien entsprechende Vorfälle schon vor Jahren so verbreitet gewesen, dass viele Beleidigungen und Bedrohungen gegen Mitarbeiter der Feuerwehr von diesen nicht mehr angezeigt würden, weil ein Gewöhnungeffekt eingetreten sei.

Die folgenden kulturellen Faktoren sind für die Erklärung des Phänomens relevant:

  • Wahrnehmung deeskalierenden Auftretens als Schwäche: Das für die deutsche Polizei übliche deeskalierende Auftreten wird dem Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak zufolge von vielen jüngeren muslimischen Männern als Zeichen von Schwäche interpretiert. Diese würden kulturell bedingt häufig erwarten, dass ihnen Grenzen aufgezeigt werden, und solange die Konfrontation suchen, bis sie auf solche Grenzen stießen. Der Völkerkundler Werner Schiffauer beschrieb zudem, dass in muslimisch geprägten Kulturen (im von ihm untersuchten Fall der türkischen Kultur) derjenige als ehrlos und damit als legitimes Ziel von Angriffen gelte, der auf Herausforderungen nicht entschieden reagiere. Deutsche würden von vielen Muslimen wegen ihrer Neigung, auf Konflikte in deeskalierender Absicht zurückhaltend zu reagieren, daher als ehrlos wahrgenommen. Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei sei die Achtung gegenüber der deutschen Polizei vor allem bei arabisch-, türkisch- und albanischstämmigen Jugendlichen dementsprechend schwach ausgeprägt.
  • Gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen: Einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens (KFN) zufolge sei unter männlichen muslimischen Jugendlichen in Deutschland Gewaltbereitschaft deutlich stärker verbreitet als in anderen Gruppen. Eine im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellte Studie über Gewaltphänomene bei männlichen, muslimischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund beobachtete zudem, dass muslimische Jungen eher als andere zu körperlicher Stärke, Dominanzverhalten und selbstbewusstem Auftreten erzogen würden. Wer diese Eigenschaften nicht zeige, würde verachtet. Auch der Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak stellte bei jungen muslimischen Männern eine besondere Neigung dazu fest, Stärke durch gewalttätiges Verhalten zu demonstrieren, um „Respekt“ zu gewinnen. Aggressives „Macho-Gehabe“ sei in dieser Gruppe sehr verbreitet.
  • Islamspezifisches Ehrverständnis: Aufgrund von kulturell bedingten Integrationsschwierigkeiten bilden Muslime in vielen europäischen Staaten zunehmend ethnisch-religiöse Unterschichten. Dies wird verbreitet als Kränkung der eigenen Ehre durch die aufnehmenden Gesellschaften wahrgenommen, die aufgrund der in islamisch geprägten Kulturen verbreiteten externalen Kontrollüberzeugung für die eigene Lage verantwortlich gemacht werden. Dem Historiker Mordechay Lewy zufolge seien vor allem arabische Kulturen „Schuldzuweisungskulturen“, in denen Selbstkritik wenig verbreitet sei, weil das Eingeständnis von Fehlern und Schwächen in ihnen mit Ehrverlust verbunden sei. Mit dem Grad des Integrationsversagens von Muslimen in Europa nehmen daher die Aggressionen gegenüber den dafür verantwortlich gemachten aufnehmenden Gesellschaften zu. Durch konfrontatives und demütigendes Verhalten gegenüber Repräsentanten dieser gleichzeitig als schwach verachteten Gesellschaften soll die eigene Ehre sowie „Respekt“ wiederhergestellt werden. Dieser Faktor ist auch zur Erklärung von Mustern islambezogener sexueller Gewalt in Europa relevant, bei der es vor allem um die Demütigung europäischer Gesellschaften über den Umweg der Demütigung von Frauen geht. Bei Angriffen gegen Polizei und Rettungskräfte wird ebenfalls ein starkes Demütigungsmotiv sichtbar, etwa wenn deren Mitarbeiter angespruckt und insbesondere Polizistinnen mit sexuellen Bezügen beleidigt werden.
  • Schwache emotionale Selbstkontrolle: Berliner Polizeibeamten zufolge habe bei muslimischen Straftätern eine kulturell bedingte schwache emotionale Selbstkontrolle eine ähnlich enthemmende Wirkung, wie sie Alkohol bei anderen Tätern auslöse. Mitarbeiter von Krankenhäusern berichten zudem, dass Angehörige muslimischer Patienten aufgrund kulturell andersartiger Formen, Trauer und Schmerz auszudrücken, zu erhöhter Emotionalität neigten, was sich teilweise in aggressivem Verhalten gegenüber Mitarbeitern von Krankenhäusern und Rettungsdienst äußere.
  • Niedriges Ansehen der Feuerwehr: Ein Berliner Feuerwehrsprecher beschrieb die Mehrheit der Täter entsprechender Übergriffe als Menschen „aus anderen Kulturkreisen, die eine andere Vorstellung von der Arbeit und den Aufgaben der Feuerwehr haben“. Bei vielen Muslimen genießt die Feuerwehr nur ein niedriges Ansehen und die Vorstellung, dass eine achtungswürdige Person in Form eines Ehrenamtes eine Tätigkeit niedrigen Ansehens ausüben könne (zum Beispiel Dienst in der freiwilligen Feuerwehr), erscheint vielen Muslimen als nicht nachvollziehbar. Mitarbeiter der Feuerwehr werden dementsprechend zum Teil als nicht achtungswürdig und somit als legitimes Ziel demütigenden Verhaltens wahrgenommen.
  • Gewaltlegitimierendes Verschwörungsdenken: Der Politikwissenschaftler Bassam Tibi hatte darauf hingewiesen, dass vor allem unter arabischstämmigen Migranten eine hohe Neigung zu Verschwörungsdenken bestehe, das davon ausgehe, dass Nichtmuslime grundsätzlich zum Schaden von Muslimen handeln würden. Dies werde durch eine Kultur der verbalen Informationsübermittlung, die Gerüchtebildung begünstige, gefördert. Der Soziologe Farhad Khosrokhavar hatte zudem bei Migranten nordafrikanischer Abstammung in Frankreich eine Neigung zu einem übertriebenen, oft die Grenze zur Paranoia überschreitenden Gefühl beobachtet, von Nichtmuslimen benachteiligt zu werden. Sozialarbeiter berichten außerdem, dass viele der besonders schlecht integrierten männlichen Muslime über fragile Persönlichkeiten verfügten, die von hoher Sensibilität für mögliche Herausforderungen der eigenen Ehre geprägt seien. Einige Täter gaben dementsprechend nach früheren Vorfällen als Motiv Misstrauen gegenüber Rettungskräften an, die aus ihrer Sicht bei Hilfeleistungen für Muslime nicht schnell genug arbeiten würden oder (im Fall von Angriffen auf Krankenhauspersonal) nichtmuslimische Patienten bevorzugt behandelt habe.

Bewertung und Folgerungen

Ohne Berücksichtigung kultureller Faktoren kann das Phänomen der zunehmenden Gewalt muslimischer Migranten gegen Polizei und Rettungsdienste in Europa kaum erklärt werden.

  • Die Ansprache dieser Faktoren mit dem Ziel ihrer Korrektur wird im Dialog mit Muslimen von diesen häufig als ehrverletzend abgelehnt und daher seitens öffentlicher Stellen meist vermieden.
  • Eine Auseinandersetzung mit diesen Faktoren ist zudem unter Muslimen auf weitgehend isolierte Einzelstimmen begrenzt. Bei vielen ansonsten konstruktiv eingestellten und vergleichsweise gut integrierten Muslimen besteht offenbar die Sorge, durch eine Anerkennung des Vorhandenseins problematischer kultureller Tendenzen die ohnehin schon überwiegend negative Wahrnehmung des Islams in Europa weiter zu verschlechtern.
  • Auf materialistischen Ideologien beruhende Teile der Sozialwissenschaften bestreiten darüber hinaus die Relevanz kultureller Faktoren zur Erklärung menschlichen Verhaltens grundsätzlich, weshalb diese Faktoren in der Analyse des Geschehens gegenwärtig verbreitet vernachlässigt werden.

Auf der Grundlage unzureichender Analyse können jedoch keine wirksamen Maßnahmen zur Kontrolle dieser oder anderer Herausforderungen getroffen werden. So werden zum Beispiel Ansätze, welche mutmaßliche „Polizeigewalt“ als Ursache der Vorfälle betrachten und zu ihrer Prävention ein noch passiveres Vorgehen der Polizei fordern, aus den genannten Gründen absehbar kontraproduktive Wirkung entfalten.

Ein selbstkritischer Umgang mit entsprechenden Herausforderungen seitens europäischer Gesellschaften könnte sich jedoch auch die Frage stellen, ob die bei vielen Muslimen vorherrschende Wahrnehmung kultureller Schwäche bei Europäern, die eine Grundlage gewaltlegitimierender Vorstellungen ist, grundsätzlich unbegründet ist. Ein umfassender Ansatz der Gewaltprävention könnte auch die Abstellung dieser Schwächen beinhalten und so dazu beitragen, dass die Kulturen sich wieder auf Augenhöhe begegnen können, was eine Voraussetzung für erfolgreiche Integration und ein friedliches Zusammenleben ist. (FG2)