Sabatina James: Europa verspielt sein christliches Erbe

Die Menschenrechtsaktivistin Sabatina James stammt aus Pakistan und wuchs in Österreich auf, wo sie sich als junge Frau vom Islam abwendete und für das Christentum entschied. Sie gründete später eine Hilfsorganisation für Frauen, die islambezogenen kulturellen Risiken ausgesetzt sind. In ihrer Dankesrede anlässlich der Verleihung des Gerhard-Löwenthal-Preises warnte sie vor einigen Tagen, dass Europa sein christliches Erbe verspiele.

In ihrer Rede sagte sie:

„Das Europa, das ich damals kennengelernt habe, zerfällt vor meinen Augen. Europa ist heute wie der verlorene Sohn, der das Erbe des Vaters nimmt, damit abhaut und es verschwendet. Erst als alles aufgebraucht ist und er gezwungen wird, sein Mahl mit dem der Schweine zu teilen, wird er einsichtig und kehrt zum Vater zurück. Ich hoffe, dass auch wir diese Einsicht haben und zurückkehren zu dem Glauben, den Werten und der Liebe, die einst die Fundamente Europas gelegt haben und es stark machten.“

Sie kritisierte zudem Teile der Kirche, denen sie mangelnde Sensibilität für islambezogene Herausforderungen vorwarf:

„Unabhängig davon, ob der Einzelne sich als Christ ansieht, sind aber die christlichen Wurzeln für unsere Kultur unverzichtbar. Das wird gerade in der Auseinandersetzung mit dem Islam sehr deutlich. Das Tragische dabei ist, dass […] viele derjenigen Geistlichen, die in führender Position die christlichen Fundamente verbreiten und verteidigen sollten, dieses nicht tun, stattdessen lieber politische Ideologien nach vorne stellen. Wenn dieses dann von der kirchlichen Basis […] kritisiert wird, dann werden diese Leute auch noch angegangen, und zwar von jenen Geistlichen, die lieber Politiker sind und sich eher in elitären als in christlichen Kreisen bewegen wollen.“

Hintergrund

Matthias Matussek schrieb über die überzeugte Katholikin James:

„Für die Linke ist sie zu konservativ, für Feministinnen vermutlich zu schön und für den großen Rest unserer Partygesellschaft eine Zumutung, weil sie eine völlig unzeitgemäße Vorstellung von Liebe hat und Sex vor der Ehe ablehnt. […] Sie eifert, wie es unter den deutschen Dialog-Christen keiner mehr tut, kein Bundespräsident, kein Bischof, womöglich hat sie diese Glut tatsächlich aus dem Islam übernommen. Sie versteht die lauen Christen nicht.“

In ihren Schriften und Vorträgen beschrieb James, dass die christliche Kultur Europas sie gegenüber dem Christentum aufgeschlossen gemacht habe. Insbesondere der von Achtung gekennzeichnete Umgang von Christen untereinander sowie die christliche Achtung gegenüber Frauen hätten einen deutlichen, positiven Kontrast gegenüber islamischer Praxis dargestellt. Nachdem ihr Umfeld auf ihre wachsenden Zweifel am Islam mit Gewaltandrohungen und Zwang reagiert habe, habe sie begonnen in der Bibel zu lesen und sich schließlich für das Christentum entschieden.

Die britische Journalistin Yasmin Alibhai-Brown beschrieb vor einigen Wochen auf Grundlage von Gesprächen mit vorwiegend aus Pakistan stammenden Frauen islamische Gewaltmilieus in Großbritannien, die James in ihren Schriften sehr ähnlich dargestellt hatte. Diese Milieus seien von den folgenden Bedingungen gekennzeichnet:

  • Ehen würden überwiegend unter Verwandten geschlossen und von deren Familien arrangiert. Der Aufwand für Erziehung und Pflege von Kindern sei gering, und es herrsche allgemeine Bildungsferne vor.
  • Frauen würden gegenüber dem Mann als weitgehend rechtlos betrachtet, und die europäische Vorstellung der Ehe als Partnerschaft mit gegenseitigen Verpflichtungen oder Rücksichtnahme des Mannes gegenüber der Frau sei unbekannt oder werde abgelehnt.
  • Männer seien im Umgang mit ihren Ehefrauen allgemein gewalttätig. Respekt sei nach islamischem Verständnis das Resultat der Fähigkeit des Mannes zur gewaltsamen Einschüchterung anderer. Ein Mann, der dies nicht praktiziere, gelte als schwach.
  • Gewalttätige Tendenzen würden dadurch verstärkt, dass viele muslimische Männer sich aufgrund ihrer durch Bildungsferne verursachten Zugehörigkeit zur sozialen Unterschicht nicht ausreichend respektiert fühlten.

Laut Alibhai-Brown gebe es in Großbritannien auch eine Minderheit von pakistanischstämmigen Muslimen, die diese Elemente islamischer Kultur ablehne, sich aber aus Sorge über die Wahrnehmung des Islams oder Furcht vor den Reaktionen anderer Muslime nicht öffentlich damit auseinandersetze.

Entsprechende Phänomene sind in allen islamischen geprägten Kulturen feststellbar, allerdings in unterschiedlich starker Ausprägung und Verbreitung.

Herausforderungen der Gewinnung von Muslimen für das Christentum

Die Abwendung von der beschriebenen Gewaltkultur ist für viele Muslime mit einem radikalen Bruch mit dem Islam verbunden. Dies führte jedoch bislang nicht dazu, dass sich eine größere Zahl von Muslimen für das Christentum entschied. Neben der allgemeinen Androhung von Gewalt gegenüber Apostaten im Islam hat dies mutmaßlich die folgenden Ursachen:

  • In Europa verbreitete Wahrnehmungen, die von einer Gleichartigkeit und – Wertigkeit aller Religionen ausgehen, begünstigen, dass der Bruch mit dem Islam bei Muslimen häufig mit der Ablehnung jeglicher Religion verbunden ist. Der Großteil der ehemaligen Muslime, die sich in westlichen Gesellschaften kritisch mit islambezogenen Herausforderungen auseinandersetzen, entscheidet sich anders als James daher nicht für das Christentum, sondern für säkulare oder atheistische Weltanschauungen.
  • Muslime entgegnen entsprechender Islamkritik mit Verweisen darauf, dass moderne westliche Kultur entgegen ihrer Selbstwahrnehmung keinesfalls besondere Achtung gegenüber Frauen beinhalte, was daran erkennbar sei, dass Pornographie eines der wichtigsten kulturellen Exportgüter des Westens darstelle. Zudem seien westliche Gesellschaften mehr als andere von Phänomenen wie verbreiteter Zwangsprostitution sowie von Abtreibung geprägt. Westliche Kultur würde Frauen außerdem als Objekte betrachten, deren vorgebliche Befreiung aus ihrer wirtschaftlichen Verwertung durch Eingliederung in den Arbeitsmarkt und aus einer an keine Bindungen geknüpften unbeschränkten sexuellen Verfügbarkeit bestehe.

Unterschiede zwischen christlicher Weltanschauung und modernen säkularen Weltanschauungen werden dabei von Muslimen zwar wahrgenommen, aber damit erklärt, dass das Christentum zu schwach sei, um den beschriebenen Phänomenen entgegenzuwirken. (FG2)