Papst Franziskus: Der „demographische Winter“ Europas als Folge von Egoismus und Materialismus

George Romney - The Children of Granville, 2nd Earl Gower (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Papst Franziskus hat sich gestern in einer Predigt zum „demographischen Winter“ Europas geäußert und diesen als Folge der zunehmenden Durchdringung seiner Kultur von Egoismus und Materialismus bezeichnet. Der Geburtenmangel in Europa sei Teil einer „bösen Krankheit“, die sich auf kultureller Ebene ausbreite. Während Gott das Leben wolle, entspreche Unfruchtbarkeit dem Willen Satans:

„Er will, dass jeder von uns nicht lebt, um anderen Leben zu geben, sei es körperlich oder geistlich. […] Der Egoismus, der Stolz, die Eitelkeit. Die eigene Seele mästen, ohne für die anderen zu leben. Der Teufel ist es, der das Unkraut des Egoismus wachsen lässt und nicht zulässt, dass wir fruchtbar sind.“

Wer für sich selbst lebe, könne Gott und dem Guten weder körperlich noch geistlich dienen. Fruchtbarkeit sei in diesem Zusammenhang einer der Aufträge Gottes an den Menschen. (ts)

Hintergrund

Die katholische Kirche warnt seit langem vor lebensfeindlichen kulturellen Entwicklungen in der westlichen Welt bzw. vor der „Kultur des Todes“, die diese zunehmend präge.

Benedikt XVI. hatte 2016 gewarnt, dass in Folge des „Absterben[s] der tragenden seelischen Kräfte […] auch ethnisch Europa auf dem Weg der Verabschiedung begriffen erscheint“.

Der hl. Johannes Paul II. beschrieb den Geburtenmangel in Europa 1999 als „Symptom eines gestörten Verhältnisses zur eigenen Zukunft; er ist der deutliche Ausdruck eines Mangels an Hoffnung, Zeichen jener ‚Kultur des Todes‘ die die heutige Gesellschaft durchzieht.” Angesichts der demographischen Entwicklung sei “eine große Strategie zugunsten des Lebens in die Tat umzusetzen. Wir müssen alle zusammen eine neue Kultur des Lebens aufbauen”. Die „Zukunft der europäischen Kultur“ hänge „von der entschiedenen Verteidigung und Förderung der Werte des Lebens, dem Kern ihres Kulturerbes“ ab. Die „kostbarste Ressource“ Europas seien „die Europäer von morgen”. (FG2)