Hans Urs von Balthasar: Christ ist, wer im Dienst steht

Die Streiter Christi - Details des Genter Altars (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der katholische Theologe Hans Urs von Balthasar suchte 1965 in seiner Schrift „Wer ist ein Christ?“ nach dem Kern der christlichen Identität. Dieser liege im christlichen Dienstethos.

Christ sein bedeutet, im Dienst zu stehen

Christ sei von Balthasar zufolge derjenige, der im Dienst stehe. Die Forderung nach Selbstlosigkeit und ständigem „Zur-Verfügung-Stehen“ im Rahmen einer dienenden Berufung würde die Identität des Christentums bestimmen.

  • Wer Christ sei, kenne seine Berufung und setze sein Leben für sie ein, wobei diese Hingabe bis zum Opfertod gehen könne. Derjenige Mensch verwirkliche sein Dasein am stärksten, „der es, für eine endliche Aufgabe, die ihm wert erscheint, so gründlich wie möglich einsetzt.“
  • Wer Ja zu Gott sage, erhalte eine solche Berufung und „seine Sendung zu den Menschen“. Diese könne auch ein „Weltauftrag“ sein, der in „Familie, Staat, Gesellschaft“ zu leisten sei.
  • Es gebe dabei „nur einen einzigen wahren Einsatz“, nämlich „den für die Brüder, für die Welt“ und den „Einsatz des Menschen, dem der Bruder mehr wert ist als sich selbst“. Der Christ praktiziere seinen Glauben, indem er „die ihm geschenkten Gnaden in Umlauf zugunsten der Mitmenschen“ einsetze.

Die vorbehaltlose Indienststellung des eigenen Lebens bis hin zum Opfertod im Dienst an Gott und am Nächsten sei das von Jesus Christus gegebene Vorbild, dem Christen zu entsprechen hätten. So würde der einzelne Christ am Auftrag der Gemeinschaft aller Christen mitwirken, in der Welt dem Wort Jesu Christi gemäß „Sauerteig zu sein, der wirkt, indem er verschwindet.“

Dienst und Tauglichkeit

Wirksamer Dienst setze Tauglichkeit voraus. Wer dienen wolle, müsse etwas geben können und im Bereich seiner Berufung „tüchtig und beschlagen“ sein. Tauglichkeit setze vor allem aber den Willen zum Dienst in Form von Freiwilligkeit, der Bejahung des eigenen Auftrags und der Absage an den eigenen Egoismus voraus.

Der Mensch erhalte für seinen Auftrag Fähigkeiten von Gott, die er nicht verbergen, sondern einsetzen solle. Aus den wenigen Jahren des eigenen Lebens müsse man an Dienst herausholen, was nur möglich sei, und den Ehrgeiz haben, diesen so gut wie möglich zu leisten.

Die Härte des christlichen Dienstes als Probe Gottes

Dieser Dienst sei mit Härten verbunden, die als Erprobung der Seele durch Gott verstanden werden sollten. Gott könne sich eines Menschen erst sicher sein, „wenn er ihn, wie Gold im Feuer, erprobt hat.“ Da das Christentum im Dienst erbrachtes Leid unabhängig von der Wirksamkeit des Dienstes als sinnvoll erachte, gebe es für Christen kein sinnloses Opfer. Das Christentum „vertieft die Möglichkeit, sein Leben in einer Aufgabe hinzugeben, fast unendlich, da […] vor allem das Leiden, dort wo man nichts Aktives mehr leisten kann, mit in das Werk, in die Fruchtbarkeit hineinbezogen wird.“

Das Christentum als die Religion des Dienstes

Die gesamte christliche Religion habe diesen Dienst zum Inhalt. So sei für Christen die Bibel das „Wort, das den volleren Gehorsam lehrt“ und die heilige Messe „die Anbetung ihres Herrn und die Belehnung mit seiner Kraft für seinen Auftrag“.