Abdel-Hakim Ourghi: Juden- und Christenfeindlichkeit als wesenshafte Bestandteile des Islams

Eugène Delacroix - Die Fanatiker von Tanger (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi lehrt an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. In einem in der „Frankfurter Rundschau“ erschienenen Beitrag setzt er sich mit den religiösen Hintergründen der zunehmenden muslimischen Judenfeindlichkeit in Europa auseinander. Dabei betont er, dass sowohl Juden- als auch Christenfeindlichkeit wesenshafte Bestandteile des Islams seien und nur durch eine Distanzierung von Teilen des Korans und der Tradition des islamischen Propheten Mohammed überwunden werden könnten.

Islamische Juden- und Christenfeindlichkeit hätten ihre Wurzeln im Koran sowie im Vorbild Mohammeds:

„Um den Antijudaismus unter Muslimen zu begreifen, ist es ratsam, einen raschen Blick auf den in Medina (622–632) offenbarten Koran zu werfen. Dort werden Ablehnung bis hin zu Feindschaft und Gewalt gegen die Juden theologisch legitimiert. […] Auch der Prophet selbst, dessen religiöses und politisches Handeln als Vorbild für die Muslime gilt, ging erbarmungslos gegen Juden in Medina vor. Er ließ sie entweder vertreiben oder töten, nachdem sie sich nicht seiner Gemeinde anschließen wollten. Der Koran bildet gewissermaßen die Tiefenschicht des Antisemitismus islamischer Prägung.“

Auch die im Islam verbreitete Christenfeindlichkeit gehe unmittelbar auf den Koran und die Tradition Mohammeds zurück und sei in Deutschland unter Muslimen stark verbreitet:

„Der deutsch-türkische Moscheeverband Ditib etwa steht immer wieder wegen antisemitischer Hetze und Christenfeindlichkeit in der Kritik. […] Sätze wie etwa, das Weihnachtsfest sei „eine nach Blasphemie stinkende Tradition der Christen“ oder „Freundschaft und Beziehungen zu Ungläubigen sind verboten“, waren zu lesen. Solche Ansichten trifft man auch bei gebildeten, sogar westlich aufgeklärten Muslimen an.“

Den „aktuellen pathologischen Zustand des Islam“ könnten Muslime nur überwinden, wenn sie aufhörten, andere mit Islamophobie-Vorwürfen und Verschwörungstheorien für die Probleme ihrer Religion und Kultur verantwortlich zu machen. Die Versöhnung mit anderen erfordere es, sich der „hausgemachten Sinnkrise“ des Islams zu stellen. Was problematische Inhalte des Korans angehe, rief er Muslime dazu auf, sich „deutlich von ihnen zu distanzieren“.

Bewertung und Folgerungen

Ourghi ist einer der Erstunterzeichner der „Freiburger Deklaration“ säkularer Muslime und Mitbegründer der Ibn-Rushd-Goethe Moschee in Berlin, die für einen säkularen und liberalen Islam eintritt. Diese Strömung versucht, problematischen Tendenzen im Islam entgegenzuwirken und dessen Integration in Europa zu fördern.

  • Die von Ourghi zur Überwindung der islamischen Juden- und Christenfeindlichkeit geforderte Distanzierung von Teilen des Korans und der Tradition Mohammeds durch Muslime ist aufgrund deren religiösen Stellenwerts im Islam unrealistisch bzw. würde diesem seine religiösen Grundlagen entziehen. Ein anderer Weg zur Überwindung dieser Tendenzen ist jedoch nicht erkennbar, was bedeutet, dass Szenare, die von der Möglichkeit der Integrierbarkeit des real existierenden Islams in jüdisch-christlich geprägten Gesellschaften ausgehen, ebenfalls unrealistisch sind.
  • Gerade die kaum integrierbaren und konflikthaft agierenden Strömungen im Islam, die sich eng am Koran und der Tradition Mohammeds orientieren und über enorme finanzielle Ressourcen und einen hohen Organisationsgrad verfügen, werden von einer wachsenden Zahl von Muslimen als Ausdruck einer starken kollektiven Identität begrüßt. Es herrscht die Wahrnehmung vor, dass die Durchsetzungsfähigkeit entsprechender Identitätskonzepte in Europa ein Argument für deren religiöse Richtigkeit sei.
  • Liberale Strömungen im Islam würden laut dem Islamwissenschaftler Loay Mudhoon in Deutschland dementsprechend nur von „Einzelpersonen“ unterstützt. Der liberale Islam sei eine „Schimäre“, auf den man unrealistische Hoffnungen setze. Seine Vertreter sind unter Muslimen weitgehend isoliert und stoßen bei diesen überwiegend auf ablehnende bis feindselige Reaktionen. Eine wirksame Ansprache der erwähnten Herausforderungen durch liberale Gegenströmungen im Islam ist somit kaum zu erwarten.

Im Zuge der demographischen Entwicklung und des Erstarkens problematischer Strömungen im Islam ist es daher wahrscheinlich, dass islambezogene Juden- und Christenfeindlichkeit in Europa und die damit verbundenen Konflikte langfristig weiter zunehmen werden. (FG2)