Papst Franziskus: Warnung vor Islamisierungstendenzen in Europa

Gentile Bellini - Sultan Mehmed II. (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Einer Meldung des österreichischen Nachrichtenmagazins profil zufolge hat Papst Franziskus bei einer Privataudienz für eine Gruppe von Katholiken aus Österreich vor Islamisierungstendenzen gewarnt. In diesem Zusammenhang habe er auch „falsch verstandene Toleranz“ kritisiert, deren Ursache eine eine gleichgültige Haltung von Christen gegenüber der eigenen Religion sei.

Hintergrund

Franziskus soll sich in seiner Äußerung auch auf eine Warnung des Wiener Erzbischofs und Kardinals Christoph Schönborn bezogen und gesagt haben, dass er, anders als Schönborn, die eigentliche Gefahr nicht im Handeln radikal-islamischer Akteure, sondern in der Gleichgültigkeit unter Christen sehe. Kardinal Schönborn hatte im September 2016 gesagt:

„’Vor 333 Jahren ist Wien gerettet worden‘, so der Kardinal. ‚Wird es jetzt einen dritten Versuch einer islamischen Eroberung Europas geben? Viele Muslime denken und wünschen sich das und sagen: Dieses Europa ist am Ende.‘ Der Kontinent habe sein christliches Erbe verschleudert wie der Verlorene Sohn das Vermögen seines Vaters. Nun fehle es ‚hinten und vorne‘ an geistlichem Rüstzeug. Schönborn schloss mit der Bitte an Gott: ‚Hab Erbarmen mit Deinem Volk, mit Europa, das daran ist, Dein christliches Erbe zu verspielen!‘

Ein Sprecher der Erzdiözese Wien kommentierte die Meldung des österreichischen Magazins mit den Worten, dass sich die aktuellen Äußerungen des Papstes ‚eins zu eins mit der Auffassung Kardinal Schönborns‘ decken würden.

Islamisierungsprozesse in Europa

Islamisierung ist der Prozess der Durchdringung einer Raumes, einer Bevölkerung oder eines Gemeinwesens mit der Religion des Islam und damit verbundenen religiösen, kulturellen und politischen Konzepten.

Auch in Europa sind Ansätze zu ähnlichen konflikthaften Begleiterscheinungen von Islamisierungsprozessen zu erkennen.

Antworten der katholischen Kirche auf islambezogene Herausforderungen

Papst Franziskus hatte sich in der Vergangenheit mehrfach indirekt zur Islamisierungsproblematik geäußert. Grundlage seiner Äußerungen ist der Ansatz, islambezogenen Herausforderungen nicht durch direkte Konfrontation, sondern Korrektur von Fehlentwicklungen im Christentum wie der insbesondere in Europa verbreiteten Selbstverleugnung der eigenen Identität zu begegnen.

Papst Franziskus und seine beiden Vorgänger vermieden es auch, die Islamisierungsproblematik in öffentlichen Äußerungen direkt anzusprechen. Motiv dafür ist möglicherweise die Absicht, den Druck auf verfolgte Christen angesichts der sich gegenwärtig vor allem unter der Führung radikal-islamischer Akteure vollziehenden Welle von Christenverfolgungen nicht weiter zu verstärken.

Da die Verfolgungen und islambezogene Konflikte mit negativen Auswirkungen auf das Christentum sich parallel zu dieser mutmaßlichen Strategie jedoch weltweit weiter verstärkt haben, gibt es auch Stimmen in der Kirche, die dafür eintreten, die passive Haltung aufzugeben und sich islambezogenen Konflikten zu stellen. (FG2)