Papst Franziskus: Europa am Vorabend der Krise

John Martin - The Seventh Plague (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Papst Franziskus sprach am Wochenende im Rahmen des Diskussionsforums „(Re)Thinking Europeüber die Krise Europas. Dabei verglich er die gegenwärtige Lage in Europa mit der, „als die antike Zivilisation unterging und die Herrlichkeiten Roms zu jenen Ruinen wurden, die wir heute noch in der Stadt bewundern können, als die neuen Völker über die Grenzen des alten Reichs drängten“.

  • In dieser Lage sei der hl. Benedikt von Nursia hervorgetreten und habe sich der Krise seiner Zeit entgegengestellt. Auf der Grundlage christlicher Weltanschauung habe er im Chaos der Spätantike Klöster errichtet, „die über die Zeit zur Wiege der menschlichen, kulturellen und religiösen und auch wirtschaftlichen Renaissance des Kontinents“ wurden.
  • Christen sollten wie der hl. Benedikt für Europa eintreten, indem sie auf Grundlage christlicher Weltanschauung Gemeinschaft stiften, kulturelle Substanz schaffen und Bindungen stärken. Dadurch sollten sie als „Gegengift“ zu individualistischen Ideologien wirken, die „losgelöst von jeder Bindung“ eine „entwurzelte Gesellschaft entwickelt“ hätten, „der der Sinn für die Zugehörigkeit und für das Erbe fehlt.“

Die Ursache der Krise Europas sei die Ablehnung des Eigenen durch die Menschen Europas, die zum demographischen und kulturellen Erlöschen Europas führen könne.

„Seit den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist ein beispielloser Generationenkonflikt im Gang. Man kann übertreibend sagen, dass man bei der Weitergabe der Ideale, die das große Europa gebildet haben, dem Vermächtnis den Verrat vorgezogen hat. Auf die Ablehnung dessen, was von den Vätern kam, folgte so die Zeit einer dramatischen Unfruchtbarkeit und dies nicht nur weil in Europa wenig Kinder gezeugt werden – es ist unser demographischer Winter – und es allzu viele sind, die ihres Rechtes, geboren zu werden, beraubt worden sind, sondern auch weil man sich als unfähig erwiesen hat, den jungen Menschen die materiellen und kulturellen Werkzeuge zu übergeben, um sich der Zukunft zu stellen. Europa erlebt eine Art Gedächtnisverlust. Dazu zurückzukehren, eine solidarische Gemeinschaft zu sein, bedeutet, den Wert der eigenen Vergangenheit wiederzuentdecken, um die eigene Gegenwart zu bereichern und den nachfolgenden Generationen eine Zukunft der Hoffnung zu übergeben.“

Wie der hl. Benedikt in der Zeit des untergehenden römischen Reiches sollten Christen den Kern einer Verfall und Niedergang entgegenwirkenden, intakten Gegenkultur bilden und dadurch „Europa wieder eine Seele“ geben. (FG3)