Sohrab Ahmari: Zunehmende Christenfeindlichkeit in progressiven Ideologien und Parteien

Der liberale amerikanische Publizist und Journalist Sohrab Ahmari stammt aus dem Iran und entschied sich 2016 dazu, Katholik zu werden. In einem aktuellen Beitrag in der New York Times beschreibt er die Zunahme christenfeindlicher Tendenzen in progressiven Ideologien und Parteien in westlichen Gesellschaften.

  • Anlass sind aktuelle Vorfälle in den USA und Großbritannien. So sprachen etwa Abgeordnete der demokratischen Partei in den USA der katholischen Juraprofessorin Amy Coney Barrett wegen ihres Glaubens die Eignung für ein Amt am Bundesberufungsgericht des Landes ab und bezeichneten ihren Glauben dabei offen als „Problem“.
  • In Großbritannien findet zudem aktuell eine Kampagne gegen den Katholiken und konservativen Abgeordneten Jacob Rees-Mogg statt, dem seitens progressiver Politiker, Aktivisten und Medien wegen seines Glaubens und seiner christlichen Positionen die Eignung für das Amt des Premierministers abgesprochen wird.

Im Zuge der fortschreitenden Durchsetzung säkular-progressiver Ideologien in gesellschaftspolitischen Fragen in westlichen Gesellschaften würden sich diese Ideologien und entsprechende politische Akteure zunehmend radikalisieren. In diesem Zusammenhang würden sie insbesonderen in den USA auch auf christenfeindliche Verschwörungstheorien zurückgreifen und unter anderem behaupten, dass Katholiken als Staatsbürger illoyal seien.

Hintergrund und Bewertung

Christenfeindlichkeit liegt unter anderem dann vor, wenn Christen wie in den erwähnten Fällen wegen ihres Glaubens etwa die Eignung zur Ausübung öffentlicher Ämter oder das Recht zur öffentlichen Äußerung ihrer Positionen abgesprochen wird.

Auch in Deutschland sind im progressiven Spektrum über dessen linksradikale Teile (in denen Christenfeindlichkeit immer schon stark präsent war) hinaus verstärkt christenfeindliche Tendenzen zu erkennen.

  • Der Sozialdemokrat und Bundesjustizminister Heiko Maas erklärte vor wenigen Tagen, dass er das Eintreten für ein „klares Familienbild aus Vater, Mutter und Kindern“ für verfassungswidrig halte. Auch wenn die Äußerungen von Maas sich nicht direkt gegen Christen richteten, so liegt in diesem Fall potentiell sekundäre Christenfeindlichkeit vor, da Maas hier den Vertretern eines christlichen Familienbildes mutmaßlich das Recht abspricht, ihre Position politisch zu vertreten.
  • Mutmaßlich christenfeindliche Positionen vertritt auch der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, der 2014 als EU-Parlamentspräsident eine Entfernung christlicher Symbole aus der Öffentlichkeit forderte. Das christliche Kreuz stehe laut Schulz für Einstellungen, die im Sinne der Anti-Diskriminierung „bekämpft“ werden müssten.
  • In jüngerer Vergangenheit kam es in Deutschland mehrfach zu Versuchen zur Verhinderung christlicher Veranstaltungen, etwa der „Demo für Alle“. An einigen dieser Versuche beteiligten sich auch Vertreter der SPD. Da in diesem Zusammenhang Christen Grundrechte abgesprochen wurden, sind diese Vorfälle als christenfeindlich einzustufen.
  • Im Zusammenhang mit solchen Versuchen werden regelmäßig christenfeindliche Parolen gezeigt oder geäußert. Neben der SPD sind auch die Parteien Bündnis90/Die Grünen sowie Die Linke in vielen Fällen an Aktionen dieser Art direkt oder indirekt beteiligt. Eine Distanzierung dieser Parteien von in diesem Zusammenhang beobachteter Christenfeindlichkeit erfolgte bislang nicht. Diese arbeiten zudem unverändert im Rahmen von Aktionsbündnissen mit offen christenfeindlich agierenden Linksradikalen zusammen.
  • In Deutschland genießt das Christentum zunehmend weniger Schutz als andere Religionen, was christenfeindliche Tendenzen begünstigt. Während etwa einige Verfassungsschutzbehörden Islamfeindlichkeit beobachten, wird Christenfeindlichkeit bislang nicht behördlich beobachtet. Ansätze zur Behebung dieser Benachteiligung sind bislang nicht zu erkennen.

Eine generelle Christen- und insbesondere Kirchenfeindlichkeit, wie sie seit der Zeit der französischen Revolution bei vielen progressiven Parteien und Bewegungen zu beobachten war und dabei nicht selten die Schwelle zur Christenverfolgung überschritt, liegt bei den Parteien des progressiven Spektrums in Deutschland trotz der beschriebenen Tendenzen jedoch gegenwärtig nicht vor.

Je mehr sich europäisch geprägte Gesellschaften von ihren christlichen Wurzeln entfernen, desto größer wird allerdings der Gegensatz zwischen den sie prägenden säkular-progressiven Ideologien und dem Christentum. Christenfeindlichkeit mit entsprechendem Hintergrund wird daher voraussichtlich parallel zur ebenfalls stärker werdenden islamischen bzw. islamistischen Christenfeindlichkeit langfristig weiter zunehmen.

Dies wird dadurch verstärkt, dass christliches Denken und Leben diesen Akteuren zunehmend als fremd und unverständlich erscheint. Insbesondere die Elemente christlichen Lebens, die Selbstkontrolle bei der Verfolgung der eigenen Leidenschaften beinhalten, werden zunehmend als Provokation empfunden und stoßen auf Intoleranz.

Da Staat und Politik bislang nicht auf diese Tendenzen reagieren und die Wahrscheinlichkeit tendenziell abnimmt, dass sie es künftig noch tun werden, wird es langfristig immer wichtiger werden, dass Christen sich selbst gegen Christenfeindlichkeit in allen ihren Formen engagieren und dieser angemessen entgegentreten. (FG2)