Kardinal Sarah: Der drohende Tod Europas

In einem schon etwas länger zurückliegenden Gespräch, das bislang im deutschsprachigen Raum nur wenig beachtet wurde, äußerte Robert Kardinal Sarah seine Sorge um Europa. Es drohe nicht nur der Kultur, sondern auch den Menschen des Kontinents der Tod durch Trennung von ihren Wurzeln und Abbruch der Weitergabe ihres Erbes. Gegenüber französischen Medien sagte er:

„[D]ie größte Sorge besteht darin, dass Europa den Sinn für seine Ursprünge verloren hat. Es hat seine Wurzeln verloren. Und ein Baum, der keine Wurzeln hat, stirbt ab. Ich habe Angst, dass der Westen stirbt. Es gibt viele Anzeichen dafür. Niedrige Geburtsraten. Und ihr seid schließlich von anderen Kulturen überströmt, von anderen Völkern, die euch fortschreitend in ihrer Zahl dominieren und eure Kultur vollkommen verändern werden, eure Überzeugungen, eure Werte.“

Europa könne hingegen eine Zukunft haben, wenn es zu seinen Wurzeln zurückfinde. In Teilen Europas sei der Glaube noch nicht tot.

Hintergrund

Der aus Guinea stammende Robert Kardinal Sarah gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der katholischen Kirche der Gegenwart und als ein möglicher Kandidat für das Amt des Papstes. Papst Benedikt XVI. hatte Kardinal Sarah in einer seiner wenigen öffentlichen Äußerungen nach seiner Emeritierung 2017 als „geistlichen Lehrer“ bezeichnet.

Kardinal Sarah ist bereits mehrfach durch Stellungnahmen zur Krise Europas in Erscheinung getreten, in denen er den Ernst der Lage mit besonders deutlichen Worten betont hatte, und die wir hier zusammengestellt haben.

Ähliche Warnungen äußerten zuletzt auch andere Vertreter der katholischen Kirche:

  • Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hatte 2016 gewarnt, dass das Christentum in Europa durchaus erlöschen könnte, „wenn andere Bevölkerungsschichten es neu strukturieren“. Zuvor hatte er gesagt, dass in Folge des „Absterben[s] der tragenden seelischen Kräfte […] auch ethnisch Europa auf dem Weg der Verabschiedung begriffen erscheint“.
  • Der Wiener Christoph Kardinal Schönborn sagte im Sommer 2017, dass man nicht ausschließen könne, dass das Christentum in Europa langfristig dessen Schicksal in dim er Türkei und in Nordafrika teilen und weitestgehend verschwinden werde. Er warnte zudem vor Islamisierungstendenzen in Europa: „Wird es jetzt einen dritten Versuch einer islamischen Eroberung Europas geben? Viele Muslime denken und wünschen sich das und sagen: Dieses Europa ist am Ende.“ Der Kontinent habe sein christliches Erbe verschleudert wie der verlorene Sohn das Vermögen seines Vaters.
  • Der amerikanische Erzbischof Charles Joseph Chaput warnte im Juli 2017 vor einem drohenden demographischen Erlöschen Europas und einer möglichen islamischen Zukunft des Kontinents.
  • Der frühere französische Militärbischof und aktuelle Straßburger Erzbischof Luc Ravel warnte im Juli 2017 vor den Folgen der demographischen Entwicklung und der damit verbundenen Islamisierungsprozesse für das Christentum in Europa.
  • Der österreichische Bischof Alois Schwarz warnte im April 2017 vor den langfristigen Folgen islamischer Zuwanderung, der demographischen Entwicklung und abnehmender religiöser Bindungen für das christliche Europa und sprach von einem „sterbenden Kontinent“.
  • Der katholische Theologe George Weigel sprach 2017 von einem „demographischen Selbstmord“ Europas.

Diese Warnungen stimmen mit Erkenntnissen von anderer Seite überein. Der Historiker Walter Laqueur sprach bezüglich der Folgen der demographischen Krise von den „letzten Tagen Europas“. Für den Kontinent gehe es „ums Überleben“. Der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg warnte vor einem „drohendem Kulturabbruch“ mit langfristig irreversiblen Folgen für Europa sowie von einer einer „demographischen Jahrhundertkatastrophe“. Der Genozidforscher Gunnar Heinsohn sprach vor einem drohenden „Finis Germaniae“. (FG2)