Kardinal Burke: Das Christentum als heroische Religion

Matthias Grünewald - Die Kreuzigung Christi (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Amerikaner Raymond Kardinal Burke ist seit 2014 Kardinalpatron des Malteserordens und gilt als eine der führenden theologisch orthodoxen und konservativen Stimmen in der katholischen Kirche. In einem aktuellen Gespräch hat er die heroische Dimension des Christentums betont.

  • Der Kern der christlichen Botschaft sei der Ruf zum Dienst. Dieser Dienst umfasse auch gesellschaftliches Wirken, etwa den Einsatz für den Schutz von Ehe und Familie oder den Schutz ungeborener Kinder.
  • Ein im Dienst am Nächsten in dienender, tapferer Treue gegenüber Jesus Christus geführtes und diszipliniertes Leben könne enorme Wirkung zur positiven Veränderung von Kulturen und zum Heil menschlicher Seelen entfalten.
  • Die Beispiele der Heiligen zeigten, dass ein solches Leben Menschen über Jahrhunderte hinweg zu Helden des Glaubens und der Menschheit gemacht habe.

Ein Beispiel für diese Art von Dienst sei das Handeln des katholischen Heiligen José Sánchez del Río, der in den 1920er Jahren im Rahmen der Widerstandsbewegung der Cristeros gegen das christenfeindliche Calles-Regime in Mexiko kämpfte. Er habe auch unter Folter bis zum Tod am Glauben festgehalten, und seine Geschichte sei auch für die Gegenwart beispielgebend.

Hintergrund

Heroische Aspekte des Christentums, die Themen wie Dienst und Opfer betonen, sind in den vergangenen Jahrzehnten in Teilen der westlichen Welt in den Hintergrund getreten. Wie jedoch etwa Papst Leo XIII. 1890 betonte, sei „der Christ zum Kampf geboren“. Die Herausforderungen seiner Zeit seien für den Christen Gelegenheit, „seine sittlichen Kräfte im Kampfe zu erproben“. Die Kirche habe aufgrund ihres von Jesus Christus erteilten Auftrags zum Dienst die „Pflicht, zum Heile des Menschengeschlechts ‚wie ein wohlgeordnetes Kriegsheer'“ zu handeln.

Dieser Kampf sei in erster Linie ein innerer Kampf gegen „die Klugheit des Fleisches“ bzw. den eigenen Egoismus sowie die Ausrichtung des eigenen Lebens an materiellen Dingen und ungeordneten Leidenschaften. Nur so könne der Mensch sein eigenes Leben richtig in den Dienst stellen. Dieser Dienst ist zudem nur dann richtig, wenn er in erster Linie gegenüber Gott geleistet werde. Er ist zudem nicht mit dem von einem Staat oder von einer säkularen Ideologie eingeforderten Dienst zu verwechseln.

Daran knüpfte neben Kardinal Burke jüngst auch der britische Historiker und Journalist Tim Stanley an, als er die kämpferischen, heroischen Aspekte des Christentums betonte:

„Christianity is tough and uncompromising. The modern notion of the Jesus who loves without asking for anything in return, the Jesus who tolerates, the Jesus of the therapeutic encounter, runs totally contrary to the Jesus of the Gospels. […] That’s how we win: we throw ourselves into the battle with a courage that saves us and the people we encounter. It is a matter of living with integrity. To quote St Catherine of Siena: ‚If you are who you are meant to be, you will set the world on fire!'“

Christen seien zum kompromisslosen Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen berufen. Der Gradmesser der Qualität ihres Einsatzes sei das Maß der Feindseligkeit, mit der ihnen dabei begegnet werde.