Erzbischof Luc Ravel: Demographische Verdrängung des Christentums in Europa

George Romney - The Children of Granville, 2nd Earl Gower (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der frühere französische Militärbischof und aktuelle Erzbischof von Straßburg, Luc Ravel, hat jüngst vor den Folgen der demographischen Entwicklung für das Christentum in Europa gewarnt. Dabei bezog er sich auch auf Gedanken des französischen Philosophen Renaud Camus, der die Folgen dieser Entwicklung als „großen Austausch“ beschrieben hatte. Dieser sei mit Islamisierungsprozessen, einem zunehmenden Verlust an kultureller Substanz (déculturation) und anderen negativen Erscheinungen verbunden.

Hintergrund

Erzbischof Ravel war in der Vergangenheit dadurch bekannt geworden, dass er als Militärbischof die demographischen Folgen der in ganz Europa im großem Maßstab vollzogenen vorgeburtlichen Tötung von Kindern durch Abtreibung mit denen des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen gegen die eigene Bevölkerung verglichen hatte. Gleichzeitig hatte er gesagt, dass das Christentum gegenwärtig sowohl durch eine Gott karikierende, menschenverachtende islamistische Bewegung als auch durch Gott verachtende und die Natur des Menschen leugnende säkulare Strömungen herausgefordert werde.

Camus gehört neben dem Schriftsteller Michel Houellebecq, dem Publizisten Éric Zemmour, dem Philosophen Alain Finkielkraut und dem Schriftsteller und Lektor Richard Millet zu den „neoreaktionären“ französischen Intellektuellen, die vor einem säkularen weltanschaulichen Hintergrund die kulturellen Folgen von demographischer Entwicklung und Massenzuwanderung in Europa wiederholt kritisch kommentiert haben.

Insbesondere Camus war von seinen Gegnern in diesem Zusammenhang verbreitet vorgeworfen worden, dass seine überwiegend negative Bewertung dieser Phänomene Ausdruck von „Verschwörungstheorien“ sei. Lorenz Jäger hatte dem in seinem 2016 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienenen Aufsatz „Identitätspolitik und lokale Gemeinschaften“ entgegnet, dass zahlreiche Sachverhalte Camus Warnungen eher stützen würden. So werde auf politischer Ebene die Auflösung gewachsener kultureller Substanz in Europa vielfach aus ökonomischen Gründen als anzustrebendes Ziel betrachtet und aktiv gefördert. Soziologische Untersuchungen würden gleichzeitig belegen, dass der damit verbundene Verlust an kultureller Substanz überwiegend negative Folgen habe, etwa für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Vertrauen innerhalb von Gesellschaften.

Auch eine vor einigen Monaten erschienene Studie „The Changing Global Religious Landscape“ des Pew Research Center hatte die demographischen Grundlagen der entsprechenden Warnungen im Wesentlichen bestätigt, insbesondere was die Auswirkungen der angesprochenen Entwicklungen auf das Christentum in Europa angeht. Demnach werde der hohe Migrationsdruck auf Europa aus dem muslimisch-geprägten Nordafrika und dem Nahen Osten anhalten und sich weiter verstärken. In Europa werde der Anteil der Muslime an Bevölkerungen aufgrund von höheren Geburtenraten und Migration weiter zunehmen, während der Anteil der Christen vor allem aufgrund niedrigerer Geburtenraten sowie schwächeren religiösen Bindungen stark zurückgehen werde. (FG2)