Migrationsforscher Ruud Koopmans: Das Scheitern des Multikulturalismus

Der Migrationsforscher Ruud Koopmans ist Professor für Soziologie und Migration an der Humboldt-Universität zu Berlin und zudem am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) tätig. In einem Beitrag in der Franfurter Allgemeinen Zeitung stellt er seine Forschungsergebnisse vor, denen zufolge ein Zusammenhang zwischen geringen kulturellen Anpassungsforderungen an Migranten und Integrationsversagen bestehe. Multikulturalistische Ansätze seien gescheitert. Anstelle von Integration solle daher im Umgang mit Migranten Assimilation als Ziel angestrebt werden.

  • Vergleichbare Migrantengruppen in Europa würden umso schlechtere Sozialindikatoren aufweisen, je geringer die kulturellen Anpassungsforderungen seien, die man an sie stelle. Je stärker man insbesondere Risikogruppen kulturell entgegenkomme, desto höher sei etwa deren kriminelle Auffälligkeit, und desto schlechter ihr Bildungsniveau.
  • Er nennt als Beispiele die Niederlande, Schweden und Belgien, wo über Jahrzehnte die Forderungen multikulturalistischer Ideologie im Umgang mit Migranten umgesetzt worden seien. In diesen Staaten seien jedoch heute insbesondere Muslime wesentlich schlechter integriert als in Staaten und Gesellschaften, die mehr kulturelle Anpassung gefordert hätten.

Seine Folgerung für Deutschland ist, dass zunehmende migrationsbedingte Herausforderungen entsprechend mit stärkerem Assimilationsdruck gegenüber Risikogruppen beantwortet werden sollten. Der gegenwärtige Kurs des weiteren Abbaus von Anpassungsforderungen werde hingegen zu einer weiteren Verschärfung dieser Herausforderungen führen.

Bewertung und Folgerungen

Erfolgreiche Assimilation hat weitere Voraussetzungen, die im Fall Deutschlands derzeit nicht vorliegen:

  • Zunächst müsste eine Steuerung von Migration nach Assimilationsfähigkeit erfolgen, da kulturelle Assimilation gegen den Willen eines Menschen und entgegen sonstiger Voraussetzungen (etwa kultureller Nähe des Migranten zur aufnehmenden Gesellschaft) kaum erfolgreich sein kann.
  • Weiterhin müsste in den aufnehmenden Gesellschaften eine assimilationsfähige Kultur vorhanden sein, die über hinreichend Selbstbewusstsein verfügen und ausreichend Kulturleistungen hervorbringen müsste um die Strahlkraft entfalten zu können, die den Willen zur Assimilation in sie motivieren könnte.

Kulturell nicht hinreichend intakte Gesellschaften sind somit ungeeignet zur Aufnahme größerer Zahlen von Migranten. Der französische Islamismusforscher Gilles Kepel wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Bruchlinien zwischen Einheimischen und Muslimen in Frankreich im Zuge der Umsetzung von Vorhaben wie der „Ehe für alle“ deutlich tiefer geworden worden seien.

Auf utopischen Ideologien beruhende Vorhaben dieser Art können deshalb nicht assimilierend wirken, weil sie nicht der Natur des Menschen und dem Naturrecht entsprechen. Robert Kardinal Sarah sprach diesbezüglich von einer „Vergiftung der Welt“ und der „gewaltsamen Durchsetzung einer falschen Moral und verlogener Werte“ durch den „einem unmenschlichen Ideal zugewandten Globalismus“ des Westens.

Dieser wird keine positive assimilierende Wirkung entfalten, sondern allenfalls auf dem Weg der Korrumpierung vorübergehend Anhänger gewinnen können, die sich später dann umso radikaler gegen den Westen stellen. Dies ist etwa bei vielen Salafisten in Europa der Fall, die keinen traditionellen islamischen Hintergrund haben, sondern häufig in materialistische westliche Unterschichtenkultur integriert waren, von der sie sich dann abwandten.

Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass sich die kulturellen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Assimilation von Migranten auch in Deutschland auf absehbare Zeit weiter verschlechtern und die Bruchlinien zwischen den Kulturen weiter vertiefen werden. (FG2)